Prof. Hubert Fromlet kommentiert für die Deutsch-Schwedische Handelskammer

Wie wirkt sich der Handelskrieg zwischen den USA und China auf deutsche und schwedische Unternehmen aus?

20.09.2018

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat sich zuletzt erneut zugespitzt. Präsident Trump erhöhte die Zölle auf Warenimporte aus China im Wert von weiteren 200 Milliarden US-Dollar. Die Antwort der Chinesen ließ nicht lange auf sich warten: Zollerhöhungen auf amerikanische Warenlieferungen in Höhe von 60 Milliarden Dollar. Dies entspricht ungefähr den Importrelationen beider Länder, den beiden weltgrößten in Bezug auf das totale BIP.

Es erscheint offensichtlich, dass direkt in den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt involvierte Unternehmen finanzielle Nachteile hinnehmen werden müssen. Bei einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung lassen sich aber keine schlüssigen Rückwirkungen erahnen oder errechnen – besonders nicht für die Industrieproduktion oder das BIP. Zumindest temporär leicht ansteigende Konsumentenpreise zeichnen sich aber in den USA wohl ab. In China kommen eher Substitutionseffekte mit (billigeren) einheimischen Produkten zustande.

Inzwischen wird immer häufiger die Frage aufgeworfen, wie sich die Effekte des Handelskrieges auf den Welthandel und das BIP der USA, Chinas, der EU und der Weltwirtschaft in Zahlen auswirken könnten. Versuche mit derartigen numerischen Konsequenzanalysen werden zwar gemacht – auch beispielsweise von der Bank of England – sind aber meines Erachtens nach recht sinnlos, und zwar aus folgenden Gründen.

Auswirkungen kaum zu berechnen

„Alleswisser“ gibt es immer, doch auch diese beißen bei zahlenmäßigen Effektberechnungen auf Granit. Manchmal hilft ein Rückgriff in die Vergangenheit weiter. Das wird dieses Mal aber nicht funktionieren, da die Welt seit vielen Jahren keinen größeren Handelskrieg mehr erleben musste.

Es lässt sich momentan nicht absehen, ob der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt weiter eskalieren wird und wie lange dieser letztendlich andauern wird. Es lässt sich auch nicht prognostizieren, ob der nächste G20-Gipfel im November zu handelspolitischer Entspannung zwischen Trump und Xi Jinping führen wird.

Weiterhin lässt sich zurzeit nicht abschätzen, ob und wie stark sich die globale Konjunktur bereits in einem Abschwung befindet. Dies muss nicht gleichbedeutend sein mit einer einschneidenden Konjunkturschwäche oder gar Rezession. Allerdings sprechen allein schon steigende Zinsen, unsichere Devisenmärkte, teilweise überzogene Immobilienmärkte und Verschuldung mit China an vorderster Front und eine gewisse konjunkturelle Ermüdung nach dem langjährigen Aufschwung für ein verlangsamtes Wachstum in den kommenden ein bis zwei Jahren. Eine derartige Entwicklung könnte sich durch einen verschärften Handelskrieg weiter verschlechtern.

Psychologie unterschätzter Faktor

Sehr unsicher ist auch, in welchem Maße psychologische Ansteckungs- und Übertreibungseffekte aufgrund zunehmender handelspolitischer Spannungen die Entwicklung auf den Finanz- und Gütermärkten noch weiter in die falsche Richtung ziehen können. Psychologie ist noch immer ein unterschätzter Parameter bei der Deutung, Verbreitung und Vertiefung von Wirtschaftskrisen, vor allem im Finanzsektor.

Ziel dieses Artikels ist es, Unternehmen und auch Privatpersonen verständlich zu machen, dass sich Effekte des Handelskrieges auf BIP und Industrieproduktion keineswegs in Zahlen ausdrücken lassen. Daran ändern auch komplizierte ökonometrische Modelle so gut wie nichts. Dies beruht auf der simplen Tatsache, dass die Ergebnisse von Computerberechnungen nicht zuverlässiger sein können als die Qualität des Inputs hergibt – und diese ist angesichts der oben angedeuteten Unsicherheitsfaktoren alles andere als gut oder befriedigend.

Natürlich können gewisse Berechnungen sich in Zukunft als richtig erweisen. Dann handelt es sich aber um Glück und nicht um wissenschaftlich fundierte Prognosen. Deutsche und schwedische Unternehmen sollte diese Zusammenhänge beachten.

Politische Entwicklung beobachten

Noch lässt sich nicht beurteilen, in welchem Umfang der Handelskrieg zwischen den USA und China die Geschäftsbedingungen von deutschen und schwedischen Unternehmen beeinflussen wird – und die Volkswirtschaften beider Länder. Weiterer Protektionismus wird aber an vielen deutschen und schwedischen Unternehmen nicht schadlos vorbeiziehen.

Daher empfiehlt es sich, auch die politische Entwicklung in und zwischen den USA und China genau zu beobachten. Noch besteht die Hoffnung, dass die Folgen des Handelskrieges sich als weniger negativ oder günstiger erweisen werden als bei der momentanen Situation zu befürchten ist.

Ansprechpartner

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer