Reisebeschränkungen und rückläufige Nachfrage große Herausforderungen für den deutsch-schwedischen Handel

02.04.2020

Die schrumpfende Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sowie Reisebeschränkungen treffen auch den deutsch-schwedischen Handel hart. Dies zeigt eine Umfrage, die die Deutsch-Schwedischen Handelskammer unter ihren Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Rund die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen prognostiziert einen Umsatzrückgang von 10 bis 50 Prozent.

Der deutsch-schwedische Handel war über viele Jahre ein stabiler Wachstumsfaktor und ist insbesondere für die schwedische Wirtschaft von enormer Bedeutung. Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern belief sich 2019 auf insgesamt fast 430 Milliarden schwedische Kronen – ein neues Rekordniveau. Diese wirtschaftliche Stabilität ist nun jedoch durch die noch nicht absehbaren Folgen der Coronakrise bedroht, wie die aktuelle Blitzumfrage unter den Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Schwedischen Handelskammer zeigt.

„Unsere knapp 1 200 deutschen und schwedischen Mitglieder machen einen Großteil des bilateralen Handels aus. Das Umfrageergebnis überrascht im Kontext der Coronakrise nicht und weist auch für die exportorientierten Unternehmen auf massive Herausforderungen hin, die noch lange Zeit weiterbestehen werden“, sagt Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer. „Wenn es den deutschen Unternehmen gut geht, fungieren sie auch als Motor für die schwedische Wirtschaft, doch im Moment herrscht große Unsicherheit auf beiden Seiten.“

Schrumpfende Nachfrage infolge der Coronakrise

Die rückläufige Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen trifft nahezu alle Branchen hart und wird von den meisten Umfrageteilnehmern als größte aktuelle Herausforderung angesehen. 44 Prozent der Unternehmen aus den Bereichen Industrie/Bau und Handel sowie knapp 40 Prozent der Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor geben dies als derzeit größte Herausforderung an. Einige Unternehmen innerhalb der Lebensmittelverpackungsindustrie verzeichnen jedoch keinen Rückgang der Nachfrage.

Viele Schwierigkeiten ergeben sich auch aus den aktuell geltenden Reisebeschränkungen, die vor allem die deutschen Umfrageteilnehmer als größtes Hindernis für ihre Geschäfte ansehen. Unter den schwedischen Teilnehmern landet diese Herausforderung lediglich auf dem vierten Platz in der Rangliste, was mit den unterschiedlichen Strategien der beiden Länder zusammenhängen dürfte, die in Deutschland von Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen und in Schweden von Eigenverantwortung geprägt sind.

Weitere Probleme stellen der Ausfall oder die Verschiebung von Investitionen ausfallen sowie Störungen in der Logistik- und Lieferkette dar. Darüber hinaus lassen sich einige branchenspezifische Herausforderungen erkennen. Beispielsweise scheint der Industrie- und Bausektor besonders stark von den Reisebeschränkungen betroffen zu sein, der Handel beklagt Liquiditätsengpässe und der Dienstleistungssektor sieht sich mit stornierten Aufträgen konfrontiert. Zahlreiche Unternehmen fordern digitale Plattformen, die Messen und Veranstaltungen ersetzen können.

Umsatzrückgang erwartet

Auf die Frage nach der erwarteten Veränderung des Umsatzes für das Jahr 2020 antworten die Unternehmen mit gemischten Prognosen. Von den deutschen Unternehmen, die auf dem schwedischen Markt aktiv sind, rechnen mehr als 30 Prozent mit einem Umsatzverlust von 10 bis 25 Prozent. Im Handel gehen hingegen 38 Prozent der Unternehmen von einem Umsatzverlust von über 50 Prozent aus.

Eine Mehrheit der schwedischen Unternehmen erwartet eine Abschwächung mit 25 bis 50 Prozent. In allen Sektoren gibt es aber auch Unternehmen, die mit einem potenziellen Umsatzverlust von mehr als 50 Prozent rechnen.

Hohe Nachfrage nach Krisenmaßnahmen

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die in den letzten Tagen und Wochen vorgestellten umfassenden Maßnahmenpakete der schwedischen Regierung für die Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind. Besonders positiv sehen die Umfrageteilnehmer die Senkung von Steuern und Abgaben. Dies wird von etwas mehr als 50 Prozent befürwortet, gefolgt von der Möglichkeit, Arbeitnehmer in Kurzarbeit zu schicken oder sie von der Arbeitspflicht freizustellen (permittering). Aber auch der Aufschub von Steuerzahlungen und der bezahlte Karenztag (erster Krankheitstag, an dem für Beschäftigte normalerweise kein Gehalt gezahlt wird) werden häufig genannt.

Weiterhin hatten die Unternehmen in der Umfrage die Möglichkeit, anzugeben, welche Maßnahmen aus ihrer Sicht noch fehlen. Hier wird von einigen Teilnehmern darauf hingewiesen, dass insbesondere in Schweden größere Steuererleichterungen und staatliche Kreditgarantien auf breiter Front erforderlich seien und dass das Unterstützungsgeld der schwedischen Zentralbank leichter verfügbar sein müsse, indem Kredite statt über die Hausbank direkt vergeben werden. Darüber hinaus werden deutliche Mietminderungen gefordert und dass der Staat die gesamten Kosten für krankheitsbedingte Fehlzeiten übernimmt.

Die Umfrage wurde am 30. und 31. März 2020 unter schwedischen und deutschen Unternehmen, die bilateralen Handel betreiben, durchgeführt. Insgesamt haben 153 Unternehmensvertreter teilgenommen. Für die Durchführung wurde ein Tool von Netigate, einem Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, genutzt.

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