Prof. Hubert Fromlet kommentiert für die Deutsch-Schwedische Handelskammer

Auch in Schweden meldet sich die Inflation zurück

16.10.2018

Noch vor zwei Jahren sah man vielerorts in der sehr niedrigen Inflation das größte schwedische Wirtschaftsproblem. Auch konkrete Deflationsrisiken wurden angesprochen, de facto insbesondere von der Reichsbank (Sveriges riksbank, meist nur Riksbanken genannt).

Man kann sich fragen, warum sich die schwedische Zentralbank damals so große Sorgen wegen des Ausbleibens von Inflation machte. Natürlich liegt es im Mandat jeder Zentralbank, Deflation zu vermeiden. Deflation macht Schulden teurer und kann in Erwartung noch niedrigerer Preise letztendlich zum Aufschub von bereits geplanten Einkäufen führen – und zu einer deutlichen Konjunkturabschwächung.

Da wird ein kleines bisschen Inflation schon lieber gesehen, auch von der schwedischen Reichsbank. Diese hat zudem ein sehr dogmatisches Inflationsziel von 2 Prozent, seit September 2017 namens KPIF (Konsumentenpreise nunmehr exkl. Zinsen für Wohnkredite).

Dabei gilt immer noch das Primat des Inflationsziels vor der potenziell schlimmeren Bedrohung durch die schnell ansteigende Verschuldung der privaten Haushalte – für Experten oft unverständlich. Es ist doch recht logisch, dass extrem niedrige Zinsen bei gleichzeitig guter Konjunktur die Kreditaufnahme der privaten Haushalte weiter anheizen.

Inzwischen ist der KPIF im September bei 2,5 Prozent gelandet – allerdings auch wegen der erratischen Energie- und Lebensmittelpreise. Die sogenannte trendmäßige oder unterliegende Inflation liegt relativ nahe am Inflationsziel.

Prognosen entscheiden über künftige Geldpolitik

Allerdings entscheidet nicht die aktuelle Inflationsrate über den Kurs der schwedischen Geldpolitik, sondern die Inflationserwartungen in 1-2 Jahren. Dazu braucht man Inflationsprognosen. Prognosen sind aber immer unsicher – und damit auch die Wahl der „richtigen“ Geldpolitik und Zinssätze.

Vor allem Konjunktur, Aktienmärkte und Protektionismus können Unsicherheit für Inflationsprognosen schaffen. Bei einer sehr deutlichen und zudem länger anhaltenden Börsenschwäche könnte es beispielsweise zu sogenannten negativen Vermögenseffekten kommen. Privatpersonen fühlen sich „ärmer“ und schränken Ihren Konsum vorläufig (etwas) ein. Dies würde auch die Inflation wieder zurückführen in durchaus niedrigere Bereiche.

Bei aller Unsicherheit erscheint es jedoch wahrscheinlich, dass die Reichsbank ihre Leitzinsen am 24.10. und/oder im Dezember um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. Alles andere als eine vorsichtige Zinserhöhungspolitik wäre eine große Überraschung.

Damit schwebt auch die Entwicklung der Schwedenkrone weiterhin über äußerst unsicherem Terrain, zumal die Zusammensetzung der kommenden schwedischen Regierung noch immer nicht feststeht.

Ansprechpartner

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer