Prof. Hubert Fromlet kommentiert für die Deutsch-Schwedische Handelskammer

Auch Schweden hat den Konjunkturgipfel überschritten

30.11.2018

Das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im dritten Quartal dieses Jahres um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken – genau wie in Deutschland. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang waren der private Konsum (-1,1 Prozent) und der zurückgegangene Bruttoexport (+0,3 Prozent), wobei der für das BIP relevante Nettoexport vom recht schwachen Import (-0,6 Prozent) gestützt wurde.

Durch den deutlichen Importrückgang konnte der Nettoexport (Exporte minus Importe) noch um 0,4 Prozent zulegen – aber über den „falschen“ Indikator. Vermutlich spüren auch schwedische Exportunternehmen inzwischen eine etwas schwächere Nachfrage aus dem Ausland.

Wie schon in Deutschland muss man sich auch in Schweden fragen, worauf die stark gebremste Konsumneigung letztendlich zurückzuführen ist. Die schwedische Statistikbehörde nennt primär die Nachfrage nach Transporten und Fahrzeugen. Allerdings dürfte aber auch der unsichere und „ermüdete“ Wohnungsmarkt Einfluss auf den privaten Konsum ausgeübt haben – wie auch das lang anhaltende warme Sommerwetter.

Das negative psychologische Konsumsentiment könnte noch eine Zeit lang Bestand haben, zumal die schwedische Zentralbank inzwischen eine Zinserhöhung für den Dezember oder Februar angekündigt hat.

Konjunkturelle Ermüdung zu erkennen

Die schwache Importentwicklung im dritten Quartal ist sicherlich auch vom getrübten Konsum der privaten Haushalte beeinflusst worden. Erwähnenswert ist weiterhin, dass sich die Bruttoninvestitionen noch einigermaßen ordentlich gehalten haben (+0,8 Prozent). Die Investitionen der Industrie nahmen sich nach wie vor recht gut aus, der Wohnungsbau hingegen verzeichnete ein deutliches Minus.

Im Vorjahresvergleich nahm das schwedische BIP im dritten Quartal nur noch um 1,6 Prozent zu – genau die Hälfte des entsprechenden Jahreswachstums im zweiten Quartal.

Es erscheint zwar möglich, dass auch temporäre Faktoren zum Rückgang des Wachstums beigetragen haben. Eine gewisse Konjunkturermüdung lässt sich aber schon erkennen. Der Wachstumsgipfel scheint in Schweden inzwischen überschritten zu sein – wie auch in Deutschland.

Ansprechpartner

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer