Prof. Hubert Fromlet kommentiert für die Deutsch-Schwedische Handelskammer

Gedämpfte Stimmung in Schweden – Unsicherheit auch in Prognosen der Regierung

10.04.2019

Wie in Deutschland hat sich die Stimmung in der Wirtschaft zuletzt auch in Schweden spürbar eingetrübt. Dies lässt sich nicht zuletzt auf die unbefriedigenden Auftragszahlen der Industrie zurückführen. Vor allem die schwachen Auftragseingänge aus dem Ausland rufen sowohl in Schweden als auch in Deutschland tiefe Sorgenfalten hervor.

Beide Länder sind bekanntlich sehr exportintensiv und damit stark abhängig von der globalen Entwicklung. Und gerade hier konnte man in den letzten Monaten kaum Positives ausmachen – es sei denn man sieht die angedeutete neuerliche geldpolitische Zurückhaltung von Fed und EZB als positives Signal. Bislang taten dies zumindest die globalen Aktienmärkte.

Auch die mehr oder weniger skeptischen Beurteilungen der OECD und des IWF zur aktuellen Wirtschaftslage Schwedens geben wenig Anlass zu Jubel, wobei beide Organisationen besonders Schwedens Probleme auf dem Wohnungsmarkt ansprechen. Die OECD zeigt sich zudem sehr besorgt über die Mängel in der Bildungspolitik.

In beiden Bereichen wurde in den letzten Jahren in der Tat wenig erreicht. Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Schweden ob seiner makroökonomischen und finanzpolitischen Stabilität auch ausdrücklich gelobt wird.

Enger finanzpolitischer Spielraum

Finanzministerin Magdalena Andersson präsentierte am heutigen 10. April den ersten Haushaltsentwurf der neuen schwedischen Regierung für das laufende Jahr und die dazu gehörenden ökonomischen Eckdaten. Insgesamt nimmt sich der finanzpolitische Spielraum sehr bescheiden aus.

Die finanziellen Rahmenbedingungen wurden schon zu Beginn dieses Jahres mit den bürgerlichen Liberalen (Liberalerna) und der – historisch betrachtet – bäuerlichen Zentrumspartei (Centerpartiet) abgesteckt. Am Ziel eines kleinen Haushaltsüberschusses – 0,33 Prozent im Laufe eines Konjunkturzyklus – wird auch weiterhin festgehalten.

Damit bleibt kein Geld übrig für kostspielige Reformen – zumal die Parlamentsmehrheit aus bürgerlichen Oppositionsparteien und rechtspopulistischen Schwedendemokraten schon Ende letzten Jahres eine Senkung der Einkommensteuer durchsetzen konnte. Allerdings sind institutionelle Verbesserungen meistens nicht sonderlich teuer. Etliche Vorschläge liegen vor. Viel Geld könnte zudem durch eine effektivere öffentliche Einkaufs- und Projektstrategie eingespart werden.

Hoffnung auf strukturelle Veränderungen

Auch werden die Steuereinnahmen künftig nicht mehr so üppig fließen wie in den vergangenen Jahren. Obwohl dem vorgestellten Haushaltsentwurf durchaus ein umwelt- und auch beschränkt unternehmensfreundliches Profil verliehen wurde, kommen längerfristig notwendige strukturelle Verbesserungen weiterhin zu kurz.

Gewisse Hoffnung besteht jedoch, dass die beiden obengenannten bürgerlichen Parteien, die die amtierende rot-grüne Minderheitsregierung dulden – im Sinne des Kooperationsabkommens vom Januar dieses Jahres – die Wirtschaftspolitik während dieser Legislaturperiode noch ein Stück weiter in die richtige Richtung antreiben können.

Internationales Umfeld zu positiv eingeschätzt?

Die aktuellen makroökonomischen Prognosen der Regierung machen zwar einen gedämpften Eindruck, aber ohne direkt Pessimismus auszustrahlen. Meines Erachtens nach liegt das größte Risiko für die BIP-Prognose im internationalen Umfeld.

Die internationalen Rahmenbedingungen, wenn auch mit kräftigen Fragezeichen ausgestattet, könnten zu positiv eingeschätzt worden sein. Damit stellt sich die Frage, ob das vorhergesehene Exportwachstum von 3,5 Prozent 2019 und über 3 Prozent in den Jahren danach wirklich erreicht werden kann.

Die bereits zurückgefahrene Zuwachsrate für die Bruttoinvestitionen (2019: +0,8 Prozent) muss nicht unrealistisch sein, auch nicht die entsprechenden Jahresprognosen für den privaten Konsum (2019: +2,1 Prozent, danach etwas weniger). Fraglich ist aber, inwiefern negative Einflussfaktoren von außen die Stimmung in der Realwirtschaft verschlechtern könnten (Protektionismus, China, breit angelegte globale Konjunkturdämpfung, Kreditblasen, Aktien- und Immobilienmärkte).

Negative Psychologie kann Spuren hinterlassen

Sollten sich die Probleme in diesen Bereichen nicht verringern oder gar zunehmen, wird das von der Regierung prognostizierte, jeweils 1,6-prozentige BIP-Wachstum in den nächsten drei Jahren kaum zu schaffen sein.

Negative Psychologie kann auch Spuren in der Realwirtschaft hinterlassen. Für mich ist das für 2019-21 erwartete stabile BIP-Wachstum von jeweils 1,6 Prozent eher als ein Zeichen von Unsicherheit als von stabilen Konjunkturerwartungen zu werten.

Vorsicht ist auch bei der Formulierung im neuen Finanzplan der Regierung angebracht, dass „eine gewisse Stärkung der Schwedenkrone in den Jahren 2019 und 2020 zu erwarten ist“. Mir wäre lieber gewesen, wenn die Ökonomen des Finanzministeriums statt von „Erwartungen“ von einer „technischen Annahme für die Prognose“ gesprochen hätten. „Erwartung“ ist in Währungszusammenhängen schon ein sehr starkes Wort.

Ansprechpartner

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer