Hamburger Hafen im Abendlicht

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Schwedens Import und Export – Deutschland bleibt wichtigster Partner

12.05.2022

Deutschland ist für den schwedischen Außenhandel traditionell immer schon ein wichtiger Partner. Beim Warenimport steht Deutschland auf Platz 1, beim Warenexport nach Norwegen auf Platz 2. Das Gesamtvolumen beim Handel von Waren und Dienstleistungen mit Deutschland erreichte 2021 einen Wert von 556,5 Mrd. SEK (ca. 54 Mrd. Euro) – bei einer Verteilung von 20 Prozent Dienstleistungen und 80 Prozent Waren – und stieg verglichen mit 2020 um 9,9 Prozent.

Die Auswirkungen des Einmarsches Russlands in die Ukraine sind noch immer nicht konkret vorhersehbar. Auch wenn Schweden nicht so stark von Russland abhängig ist wie beispielsweise Deutschland, könnten die durch den Krieg ausgelösten oder verstärkten wirtschaftlichen Probleme bei den Handelspartnern nachgelagert auch zu wirtschaftlichen Engpässen in Schweden führen. Die jüngst erschienene schwedische Handelsbilanz zeigt den Stand des schwedischen Außenhandels sowie Entwicklungen und Trends im Jahr 2021. 

„Klassische schwedische Exportgüter sind Maschinen, Pharmazeutika, Holzprodukte, Zellstoff und Papier. Auch schwedisches Eisen und Stahl sind seit jeher wichtige Exportprodukte.“

Klassische schwedische Exportgüter sind Maschinen, Pharmazeutika, Holzprodukte, Zellstoff und Papier. Auch schwedisches Eisen und Stahl sind seit jeher wichtige Exportprodukte. PKWs und LKWs stellten bisher mit ca. 15 Prozent den größten Teil der Exporte aus Schweden. Als die nachgefragtesten schwedischen Importgüter gelten hauptsächlich Waren, die nicht in Schweden hergestellt werden können oder deren Einfuhr kostengünstiger ist. Die Einfuhren werden zur Herstellung neuer Waren oder zum direkten Verbrauch verwendet. So importiert Schweden hauptsächlich Autos und Autoteile, Lebensmittel, Rohöl sowie elektrische und Telekommunikationsgeräte.

Warenhandel mit Deutschland erholt sich deutlich nach dem Krisenjahr 2020

Rund 70 Prozent der schwedischen Exporte gehen in Länder des EU-Binnenmarktes. Mit einem Warengesamtwert in Höhe von ca. 170 Mrd. SEK (ca. 16,4 Mrd. Euro) landete Deutschland knapp hinter Norwegen erneut auf dem zweiten Platz unter den größten Exportländern Schwedens. Nach einem Rückgang im Corona-Jahr 2020 um -4,6 Prozent stiegen die schwedischen Exporte nach Deutschland wieder deutlich um 12 Prozent an. Auch für den Import ist Deutschland seit vielen Jahren Schwedens wichtigster Partner. So wurden im Jahr 2021 deutsche Waren im Gesamtwert von fast 274 Mrd. SEK (ca. 26,4 Mrd. Euro) importiert. Das entspricht einem Zuwachs der Importe aus Deutschland von 9,9 Prozent, nachdem das Wachstum coronabedingt in 2020 um -7 Prozent zurückging. Zur Handelsstatistik über den Warenexport und -import mit Deutschland.

„Sowohl Importe als auch Exporte haben zudem die Handelszahlen des Vor-Corona-Niveaus überstiegen.“

Sowohl Importe als auch Exporte haben zudem die Handelszahlen des Vor-Corona-Niveaus überstiegen. Deutschlands Bedeutung als Handelspartner wächst demnach stetig.

Import: Deutsche Maschinen und Pharmazeutika beliebt

Das Jahr 2021 war geprägt von Unternehmen, die sich von pandemiebedingt stark gesunkenen Wirtschaftszahlen erholten. Viele Firmen erreichten auch wieder das Vorkrisen-Niveau oder konnten dieses sogar übersteigen. So wuchs zum Beispiel die schwedische Nachfrage der im Hinblick auf die Umsatzhöhe wichtigen Produktgruppe der Maschinen und Geräte mit 11 Prozent, nachdem sie in 2020 gesunken war. Die in 2020 angeschlagene Transportmittelbranche konnte sich in den Bereichen PKW (+1,5 Prozent), LKW und Sonderfahrzeuge (+3,4 Prozent), sowie Teile und Zubehör für Kraftfahrzeuge (+8,5 Prozent) in 2021 wieder erholen. Ganz anders die Nachfrage nach deutschen pharmazeutischen Erzeugnissen und Arzneimitteln. Diese hatte bereits 2019 und 2020 stark zugenommen und konnte den Zuwachs in 2021 vergleichsweise noch weiter ausbauen (+15 Prozent). Mineralöle und deren Erzeugnisse aus Deutschland standen in Schweden ebenfalls hoch im Kurs (+59 Prozent).

Export: Maschinen made in Sweden stark nachgefragt

Betrachtet man die Kategorien mit den größten Umsätzen im schwedischen Exporthandel mit Deutschland, sind es vor allem Maschinen und Geräte (+9,3 Prozent), die in Deutschland sehr beliebt waren. Ebenso Erzeugnisse der chemischen Industrie und ihr nahestehender Industriezweige trafen auf eine höhere Nachfrage (+18 Prozent). Der starke Wachstumstrend in diesem Bereich für pharmazeutischen Produkte aus dem Jahr 2020 (+8,5 Prozent) konnte sich in 2021 jedoch nicht fortsetzen (+ 0,2 Prozent). Bei zumindest gleichbleibend hohen Umsatzzahlen machen medizinisch-pharmazeutische Produkte dennoch einen bedeutenden Anteil des Gesamtumsatzes der schwedischen Exporte aus.  

Weniger nachgefragt waren zudem einige im Hinblick auf die Umsatzhöhe bedeutende Kategorien. Zum Beispiel bestätigte sich ein bereits im Vorjahr 2020 ausgewiesener Negativtrend in der Kategorie PKWs (-15 Prozent) und Kfz-Zubehör (-22 Prozent). Auch der umsatzstarke Export von Papier und Pappe musste im zweiten Jahr in Folge ein Negativwachstum (-4,5 Prozent) verzeichnen.

Die umsatzstarke Kategorie Eisen und Stahl konnte sich von ihren Verlusten in 2020 (-20 Prozent) wieder erholen und landete 2021 bei einem Wachstum von 35 Prozent. Auch andere Metalle sind umsatzmäßig bedeutend für den schwedischen Export. Die Ausfuhr von Metallen konnte nach zwei Jahren des Negativwachstums wieder deutlich aufholen (+28 Prozent). Die 2020 noch beobachtete sehr hohe Nachfrage nach schwedischer Kleidung (+9,8) konnte sich in 2021 nicht so stark fortsetzen und pendelte sich bei einem stabilen Zuwachs von 1,8 Prozent ein.

Handel mit Dienstleistungen wächst schneller als Warenhandel

Die Umsatzzahlen des schwedischen Warenhandels unterstreichen seine Bedeutung für die Wirtschaft. Er macht etwa zwei Drittel des gesamten schwedischen Außenhandels aus. Das andere Drittel wird durch den Handel mit Dienstleistungen abgedeckt. Das starke Wachstum in diesem Bereich führt dazu, dass der Anteil der Dienstleistungen am gesamten Außenhandel stetig wächst.

„Grund dafür sind vor allem die rasanten Entwicklungen im Technologiebereich der letzten Jahrzehnte, hier nicht zuletzt die Digitalisierung.“

Grund dafür sind vor allem die rasanten Entwicklungen im Technologiebereich der letzten Jahrzehnte, hier nicht zuletzt die Digitalisierung. Sie haben zu einem starken Anstieg des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs geführt, weil nun auch mehr und kleinere Unternehmen über Internetseiten und digitale Marktplätze international handeln können. Bei den schwedischen Dienstleistungsexporten und -importen handelt es sich hauptsächlich um Reiseverkehr, Telekommunikation, Daten- und Informationsdienste sowie Transport. Während Dienstleistungen um die Jahrtausendwende noch etwa 20 Prozent des schwedischen Außenhandels ausmachten, ist der Handel mit Dienstleistungen inzwischen auf ein knappes Drittel gestiegen.

Reisebranche noch nicht vollständig erholt

Fast die Hälfte der gesamten schwedischen Dienstleistungsexporte gehen wie die Warenexporte in andere EU-Länder. Im Gegenzug importiert Schweden auch die meisten Dienstleistungen aus EU-Ländern. Nachdem der Außenhandel mit Deutschland im Corona-Jahr 2020 gesunken war, stieg der Export von Dienstleistungen nach Deutschland in 2021 um 7 Prozent auf 46,5 Mrd. SEK (ca. 4,5 Mrd. Euro) und der Import aus Deutschland um 8,7 Prozent auf 66,0 Mrd. SEK (ca. 6,4 Mrd. Euro). Die am stärksten betroffene Dienstleistungskategorie, der Reiseverkehr, hat sich jedoch noch nicht vollständig erholt. Bei den Importen von Dienstleistungen liegt Deutschland nach den USA und dem vereinigten Königreich auf dem 3. Platz, gefolgt von Dänmark, Finnland und Norwegen. Bei den Exporten von Dienstleistungen befindet sich Deutschland auf dem 4. Platz nach den USA, dem vereinigten Königreich und Norwegen, wobei die Zahlen für die UK seit ihrem Austritt aus der EU jedoch abgenommen haben.

Quellen: SCB und Kommerskollegium