Prof. Hubert Fromlet kommentiert für die Deutsch-Schwedische Handelskammer

Schwedens Arbeitslosigkeit deutlich überschätzt

18.11.2019

Statistik hat manchmal ihre Tücken – zumindest in den OECD-Ländern selten jedoch wegen mangelnder Qualität. Allerdings kann ich mich sehr wohl an die statistischen Qualitätsmängel in den Vereinigten Staaten in den neunziger Jahren erinnern. Da konnte ich regelmäßig an Ort und Stelle das Lamento amerikanischer Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten ob aller statistischen Qualitätsmängel notieren.

Zuletzt konnten sich aber auch die zahlreichen Statistikbehörden dem Sparzwang der Politik nicht länger entziehen. Seither konnte der statistische Standard aber längst wieder zum Positiven gedreht werden und somit auch ein wichtiger Grundpfeiler für wirtschaftspolitische Entscheidungen.

Immer wieder kommt jedoch zutage, dass statistische Qualitätsmängel nicht nur in weniger entwickelten Ländern auftauchen können, sondern auch in modernen und leistungsstarken Volkswirtschaften – kürzlich sogar in Schweden.

Arbeitslosigkeit im September 6,0 statt 7,1 Prozent

In Schweden fragt man sich seit mehreren Monaten, ob die Zahlen für die Arbeitslosigkeit seit Beginn des Sommers nicht zu hoch ausgewiesen wurden. Dieser Verdacht hat sich zuletzt bestätigt. Die schwedische Statistikbehörde SCB (Statistiska Centralbyrån) räumte vor Kurzem ein, dass die Arbeitslosenquote beispielsweise im September 2019 de facto 6,0 Prozent betrug statt zunächst ausgewiesenen 7,1 Prozent. Überschätzungen der offiziellen Arbeitslosigkeit gab es vor allem seit Juni dieses Jahres. Zuvor wurde die Arbeitslosigkeit auch hin und wieder zu niedrig errechnet.

                           Erste Version         Revidierte Version

Juni                          7, 6                            7, 2

Juli                           6, 9                            6, 9

August                     7, 1                            6, 9

September              7, 1                            6, 0

Schwedische Arbeitslosigkeit (Quelle: SCB)

Eine Differenz wie vor allem im September nimmt sich schon erheblich aus. Sogar das schwedische BIP könnte sich durch die jetzt bekannt gewordenen Reduzierungen der Arbeitslosenquoten leicht nach oben verschieben, zumindest für das dritte Quartal 2019. Mehr darüber lässt sich vielleicht anlässlich der Publizierung der neuesten schwedischen BIP-Statistik für das dritte Quartal am 29. November ausfindig machen.

Ansprechpartner

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer