Mehrere Semlor auf einem Tablett

Foto: Lola Akinmade Åkerström/imagebank.sweden.se

Viva Semla: Schwedisch schlemmen zur Karnevalszeit

26.02.2019

Während im Februar oder, wie dieses Jahr, Anfang März in Süddeutschland Fasching oder im Rheinland Karneval gefeiert wird, begeht man in Schweden 47 Tage vor Ostern traditionell den Fettisdag, auch bekannt als Semmeldag. Wir haben nachgeforscht, was es mit dieser köstlichen schwedischen Tradition auf sich hat.

Die schwedische Semla ist ein traditionelles Hefegebäck, das eine Sahnefüllung und einen Kern aus marzipanähnlicher Mandelmasse enthält. Außerdem wird es typisch schwedisch mit Kardamom gewürzt.

Die Tradition, in Schweden im Februar oder März Semlor zu essen, geht auf die Fastenzeit des Christentums zurück. Der Dienstag nach Rosenmontag ist bekanntlich der letzte Tag, bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Da heißt es vor den Wochen der Enthaltsamkeit noch einmal ordentlich zuzuschlagen – daher die Bezeichnung Fettisdag (zu Deutsch wörtlich fetter Dienstag). In diesem Jahr ist es am 5. März soweit.

Die Geschichte der Semlor an sich geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Bereits zu Zeiten von Gustav Vasa waren Semlokakor (zu Deutsch in etwa Semmelkuchen) ein Begriff.

Zwischen Neujahr und Ostern ist Semmelzeit

Jedes Jahr werden in Schweden insgesamt 40 Millionen Semlor verkauft. Allein am Fettisdag werden über sechs Millionen verzehrt. Bei einer Einwohnerzahl von gut zehn Millionen isst also mehr als jeder zweite Schwede an diesem Tag mindestens eine Semla. Spannend zu beobachten ist auch, dass die Verkaufszahlen von Sahne vor dem Semmeldag um 50 Prozent ansteigen. Semlor werden also nicht nur in Cafés, Konditoreien oder im Supermarkt gekauft, sondern von vielen auch selbst gebacken.

Doch der „fette Dienstag“ wird nicht nur in Schweden, sondern im ganzen skandinavischen Raum gefeiert. In Dänemark und Norwegen werden jedoch zum Beispiel eher Konfitüre oder Vanillecreme, anstatt der für Schweden typischen Mandelmasse verwendet. In Deutschland ist die schwedische Semla vergleichbar mit den in der Faschingszeit üblichen Krapfen. Doch letztlich gibt es die einzig wahren Semlor nur in Schweden.

Anders als beim „Nationalgebäck“ Kanelbulle (Zimtschnecke), das über das ganze Jahr hinweg erhältlich ist, werden Semlor für gewöhnlich nur zwischen Neujahr und Ostern verkauft. So freut man sich umso mehr auf etwas, das nicht alltäglich ist. Da sie aber so beliebt und einfach nur lecker sind, gibt es sie in einigen Konditoreien mittlerweile auch das ganze Jahr über zu kaufen.

Semlor in allen erdenklichen Formen

Laufen sie den Kanelbullar daher vielleicht bald den Rang als DAS Gebäck Schwedens ab? Sicher ist auf jeden Fall, dass Semlor hierzulande weiter an Popularität gewinnen. Schon mal etwas von Muffla oder Semmellatte gehört? Denn wer glaubt, dass es Semlor nur in ihrer klassischen Form gibt, der täuscht sich.

Die aktuellen Trends gehen in alle erdenklichen Richtungen. Als warmes Getränk (Semmellatte) erhältlich bei Waynes Coffee, als Semmelwrap in der Tössebageriet in Stockholm, als Nachos mit Sahne und Marzipan-Dip bei Mr. Cake, als Porridge bei Pom & Flora, in Muffin-Form (Muffin + Semla = Muffla), als Burger oder ganz exklusiv als Champagnesemla im Stockholmer Grand Hôtel – da sollte für jeden etwas dabei sein. Ob alle diese Varianten geschmacklich mit der klassischen Semla konkurrieren können und überhaupt noch etwas damit zu tun haben, sei jedoch mal dahingestellt.

Auf den Geschmack gekommen? Dann finden Sie hier ein paar köstliche Rezepte zum Nachbacken: