Erik Askensjö, Geschäftsführer von Schaeffler in Schweden, vor dem Firmengebäude.

Erik Askensjö, Geschäftsführer von Schaeffler in Schweden.

Containerschiff vor Hamburgs Hafen. Text: #WirtschaftLebt; Unsere Mitglieder berichten; eine Kampagne der Deutsch-Schwedischen Handelskammer
Erik Askensjö, Geschäftsführer von Schaeffler in Schweden.

#WirtschaftLebt – Schaeffler: „Wir konnten die Arbeitszeit einfach nicht reduzieren“

20.05.2020

Das deutsche Familienunternehmen Schaeffler hat, wie viele andere auch, Maßnahmen wie Kurzarbeit ergriffen, um die Auswirkungen der Coronakrise abzumildern. Im ersten Quartal des Jahres waren die Umsätze jedoch stabil geblieben. In der schwedischen Tochtergesellschaft sind die Mitarbeiter sogar mit so vielen Kundenanfragen beschäftigt, dass es gar nicht möglich war, die Arbeitszeit zu reduzieren.

Erik Askensjö ist Geschäftsführer von Schaeffler in Schweden mit 60 Mitarbeitern in Arlandastad nördlich von Stockholm.

Deutsch-Schwedische Handelskammer: Wie geht es Ihrem Unternehmen?

Erik Askensjö: Das schwedische Geschäft läuft gut. Wir merken nicht viel von Corona. Einige wenige Kunden hatten von Ostern bis Ende April geschlossen, aber jetzt haben sie den Betrieb wieder aufgenommen. Einige hatten Lieferprobleme, weshalb es für sie länger gedauert hat als geplant, die Produktion wieder hochzufahren. Wir waren kurzzeitig besorgt, dass es für den Vertrieb und den Kundenservice nicht genug zu tun geben würde, wenn unsere Kunden den Betrieb einstellen. Dies hat sich aber als genau gegenteilig herausgestellt. Uns erreichen viele Anfragen und unsere Vertriebsmitarbeiter haben viel zu tun.

„Uns erreichen viele Anfragen und unsere Vertriebsmitarbeiter haben viel zu tun.“

Wir konnten die Arbeitszeit einfach nicht reduzieren. Einige Mitarbeiter haben zu Ostern lediglich ein paar zusätzliche Urlaubstage genommen. Was die Lage im Gesamtkonzern angeht, kann ich auf die Pressemitteilung zum ersten Quartal 2020 verweisen.

(Schaeffler meldet ein stabiles Ergebnis und einen starken Cashflow. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent zurück, hauptsächlich in den Automobil- und Industriesparten, während die Sparte Automotive Aftermarket einen Umsatzanstieg verzeichnete. Anm. d. Red.)

Wie passt sich das Unternehmen an die aktuelle Situation und eine eventuell länger anhaltende Krise an?

Wir haben frühzeitig unser Krisenteam gebildet und weltweit Handlungsrichtlinien festgelegt. In Schweden konnten wir unserem Personal schnell anbieten, von zu Hause aus zu arbeiten. Während der gesamten Krisenzeit waren etwa 60 bis 70 Prozent unserer Büromitarbeiter im Homeoffice.

Einige haben es vorgezogen, jeden Tag ins Büro zu kommen, weil dies für sie besser funktioniert hat. Die Europaleitung hat jeden zweiten Tag ein Update vom europäischen Krisenteam erhalten. So konnten wir alle Mitarbeiter über die neuesten Entwicklungen informieren. Wir haben Skype-Meetings mit allen Kollegen abgehalten, um zu berichten, was es Neues bei Schaeffler gibt. Jeder Abteilungsleiter hat seine eigenen Besprechungen abgehalten. Die meisten haben sich morgens kurz abgestimmt und die jeweiligen Arbeitsaufgaben verteilt.

Was hat gut funktioniert? Welche Erfahrungen möchten Sie mit unserem Netzwerk teilen?

Wir erledigen viel über Skype und Teams. Das hat in den meisten Fällen gut funktioniert. Wir haben sogar Präsentationen für Kunden erfolgreich über Teams durchgeführt. Wir hatten auch einige schwierige Fälle, bei denen wir das Gefühl hatten, ernsthafte Diskussionen mit Kunden führen zu müssen. Einige Vertriebsmitarbeiter haben sich davor gescheut, solche Meetings zu organisieren, aber da sich alle in derselben Situation befinden, hat sich gezeigt, dass die Akzeptanz dafür sehr hoch ist. Das Ganze funktioniert besser, wenn man die Personen am anderen Ende der Leitung bereits kennt oder zumindest schon einmal persönlich getroffen hat. Kritische Gespräche mit Personen zu führen, mit denen man noch nie Face-to-Face gesprochen hat, ist nicht zu empfehlen.

 

Über Schaeffler:

Die Schaeffler Group ist ein weltweit tätiger Automobil- und Industriezulieferer mit Hauptsitz im bayerischen Herzogenaurach. Mit circa 87.700 Mitarbeitern in über 50 Ländern ist Schaeffler eines der weltweit größten Familienunternehmen. Das Unternehmen liefert Komponenten und Systeme für die Herstellung von Motoren, Getrieben und Fahrgestellen. Schaeffler stellt auch Lösungen mit Wälz- und Gleitlagern für verschiedene industrielle Anwendungen her. Das Unternehmen konzentriert sich stark auf Industrie 4.0 und bietet unter anderem Zustandsüberwachung und Cloud-basierte digitale Dienste zur vorbeugenden Wartung an.

Wegen der Coronakrise hat Schaeffler ein Sparprogramm aufgelegt, welches zum Beispiel die Einführung von Kurzarbeit, den Abbau von Urlaubstagen und Zeitkonten, Einstellungsstopps, die Einschränkung von Messeauftritten, die Kürzung des Marketing-Budgets und temporäre Werksschließungen umfasst. Zusätzlich wurde vom Vorstand beschlossen, die Anzahl der im Rahmen des Freiwilligenprogramms in Europa abzubauenden Stellen von 1.300 auf 1.900 zu erhöhen.

 

In unserer Serie #WirtschaftLebt berichten unsere Mitglieder, wie sie die aktuelle Coronakrise erleben und welche Erfahrungen, Tipps und Erkenntnisse sie mit dem Netzwerk teilen möchten.