Anders Kumlien, Above Gallery mit dem Werk „This is not hundred years ago“ von Linnea Jensen.

Containerschiff vor Hamburgs Hafen. Text: #WirtschaftLebt; Unsere Mitglieder berichten; eine Kampagne der Deutsch-Schwedischen Handelskammer
Drive-thru Above Gallery med Anders Kumlien

Foto: Michael Campanella

Anders Kumlien, Above Gallery

Foto: Spa media

#WirtschaftLebt – Above Gallery: „Denken Sie kreativ in der Krise!“

20.05.2020

Seit Herbst 2019 betreibt Anders Kumlien die Above Gallery, eine Galerie mit dem Konzept, zeitgenössische schwedische Kunst in ganz Schweden und Europa zu vertreiben. Das Sortiment besteht aus Grafiken, Fotografien, Gemälden und Skulpturen und die Galerie kann sowohl online als auch in einem Showroom in Stockholm besucht werden.

Das Jahr begann sehr erfreulich für Anders Kumlien und seine Galerie: Die Verkaufszahlen waren gut und es gab Pläne, Kunst auf Messen in Deutschland auszustellen. Doch dann wurde, wie Kumlien es ausdrückt, die Notbremse gezogen: Mit dem Ausbruch der Pandemie wurden sämtliche Vernissagen, Kunstveranstaltungen und Messepläne abgesagt.

Wir haben den Galeristen in seinem Showroom in der Stockholmer Sigtunagatan getroffen, um mehr darüber zu erfahren, wie er als Unternehmer in Coronazeiten sein Geschäft angepasst hat und es in einer besonders stark von der Krise betroffenen Branche am Leben erhält.

Deutsch-Schwedische Handelskammer: Wie geht es Above Gallery?

Anders Kumlien: Dem Unternehmen geht es unter den aktuellen Umständen recht gut. Momentan ist in meiner Branche Nebensaison, was bedeutet, dass ich noch keine richtig großen Einbrüche bemerkt habe. Aber natürlich spüre ich die Krise in Form von abgesagten Kunstveranstaltungen und geringeren Verkaufszahlen. Ich habe mich selbst in die Kurzarbeit geschickt und arbeite nun nur noch 60 Prozent. Wegen der Krise habe ich alle Kosten überprüft und Gemeinkosten, die nicht absolut notwendig sind, gesenkt. Ich hoffe, dass ich das Geschäft im Herbst wieder aufnehmen und Kunst dann wieder auf die übliche Art und Weise zeigen kann.

Wie haben Sie das Unternehmen an eine eventuell länger anhaltende Krise angepasst?

Als die Pandemie ausbrach und die Vernissage abgesagt wurde, musste ich überlegen, wie ich etwas Neues in der Branche anbieten könnte. Wie kann ich Kunstliebhaber auf eine sichere Weise, ohne Gedränge und Ansteckungsrisiko mit der Kunst in Kontakt bringen? So entstand die Idee, Kunst über einen Drive-in-Service zu präsentieren. So kann man die Kunst weiterhin richtig erleben. Der Service funktioniert so, dass man das gesamte Sortiment auf der Webseite der Galerie ansehen kann. Wenn man ein Werk findet, das einen interessiert, kann man mich kontaktieren und einen Termin vereinbaren. Vor der Galerie gibt es eine Parklücke, wo man mit dem Auto oder einem anderen Fahrzeug anhalten kann. Dann gehe ich auf die Straße und zeige die Arbeiten, während der Kunde im Auto bleibt. Gefällt dem Kunden, was er sieht, kann der Kauf direkt stattfinden und das Kunstwerk in den Kofferraum geliefert werden. Die Initiative hat mir konkrete Geschäfte eingebracht und es ist mir auch gelungen, neue Kunden zu erreichen, was in diesen Zeiten natürlich besonders erfreulich ist.

Haben Sie eine Botschaft oder Erkenntnis, die Sie mit unserem Netzwerk teilen möchten?

Neben einfachen Ratschlägen wie der Senkung der Gemeinkosten kann ich besonders empfehlen, kreativ zu denken. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, kreativ und lösungsorientiert zu sein.

„Gerade in diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, kreativ und lösungsorientiert zu sein.“

Oft ist man ja besonders kreativ, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. In meinem Fall war ich gezwungen, mir etwas Neues auszudenken, um meine Kunden weiterhin mit der Kunst erreichen zu können. Die Drive-in-Initiative erhielt auch mediale Aufmerksamkeit in Fernsehen, Radio und Zeitungen, was meinem Unternehmen gute Publicity eingebracht hat. Ein anderer Ratschlag lautet, auch in Krisenzeiten weiterzumachen und nicht aufzugeben. In Schweden sagt man, dass derjenige, der viel arbeitet, oft auch am meisten Glück hat. In meinem Fall ging es darum, eine neue Arbeitsweise zu finden, die auch in vielerlei Hinsicht zu guten Ergebnissen geführt hat.

 

In unserer Serie #WirtschaftLebt berichten unsere Mitglieder, wie sie die aktuelle Coronakrise erleben und welche Erfahrungen, Tipps und Erkenntnisse sie mit dem Netzwerk teilen möchten.