Bettina Bauer, Merck, beim DSHK-Lunch der Deutsch-Schwedischen Handelskammer im Showroom von Gärsnäs

Bettina Bauer, Schwedenchefin von Merck, präsentierte den Roboter Petra.

Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth, Bettina Bauer und Ralph-Georg Tischer beim DSHK-Lunch der Deutsch-Schwedischen Handelskammer im Showroom von Gärsnäs

Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth (l.), Deutscher Botschafter in Schweden, und Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, mit Bettina Bauer.

Roboter Petra von Merck und Furhat Robotics beim DSHK-Lunch der Deutsch-Schwedischen Handelskammer

Der Gesundheitsroboter Petra von Merck und Furhat Robotics.

Gäste beim DSHK-Lunch der Deutsch-Schwedischen Handelskammer im Showroom von Gärsnäs

Mehr als 20 Gäste lauschten dem Vortrag von Bettina Bauer.

350 Jahre jung: Neugier ist das Anti-Aging-Geheimnis von Merck

10.12.2018

Wie schaffe ich ein innovationsfreundliches Klima in meinem Unternehmen? Für Bettina Bauer, Geschäftsführerin des Wissenschafts- und Technologieunternehmens Merck in Schweden, ist eines klar: „Vergessen Sie Tagungen und Trainings! Die bringen absolut nichts“, sagte die Gastrednerin der Dezember-Ausgabe der DSHK-Lunches, die die Deutsch-Schwedische Handelskammer vergangenen Dienstag im Showroom des Mitgliedsunternehmens Gärsnäs veranstaltet hat. Viel wichtiger seien engagierte Mitarbeiter und die Zusammenarbeit mit kreativen, kleinen Unternehmen.

Bauer weiß, wovon sie redet. Seit Frühjahr 2017 leitet sie die Geschäfte von Merck in Schweden. Sie arbeitet damit für das älteste Pharmaunternehmen der Welt, das vor genau 350 Jahren in Darmstadt gegründet wurde. Tradition und Innovation haben sich bei dem Unternehmen, das sich in klassisch deutscher Manier trotz Börsennotierung nach wie vor mehrheitlich in Familienbesitz befindet, nie ausgeschlossen. Im Gegenteil. Hohe Investitionen in Forschung und Wissenschaft waren von Anbeginn ein wichtiger Bestandteil der Firmenstrategie und nur so kann sich der Senior der Branche seit Jahrhunderten an der Spitze halten.

„Sie finden uns überall, auch wenn Ihnen das vermutlich nicht bewusst ist“, erklärte Bettina Bauer den Gästen, die zum Lunch in den stilvollen Showroom der Möbelmanufaktur Gärsnäs in der Stockholmer Altstadt gekommen waren. In einem signifikanten Anteil der Displays von Smartphones und Flachbildschirmen weltweit stecke Merck-Technologie und fast alle Lifescience-Labore arbeiteten mit Produkten der Darmstädter. „Auch auf der Apollo-11-Mission waren wir dabei“, lächelte Bauer. „Als Neil Armstrong zum Mond flog, hatte er unser Nasenspray in der Bordapotheke.“

Die Zukunft trägt eine Pelzmütze

Doch die Reise zum Mond ist Vergangenheit. Die Zukunft präsentierte Bauer den überraschten Lunchgästen in Form von Petra. Petra ist 41 cm hoch, wiegt 3,5 kg und trägt eine Pelzmütze. Letztere ist Markenzeichen des Stockholmer Start-ups Furhat Robotics, das Petra zusammen mit Merck entwickelt hat. Petra ist ein sozialer Roboter, der nach Krankheiten screenen kann. Merck Schweden und Furhat Robotics haben mehr als zwei Jahre zusammengearbeitet, um Wege zu finden, durch Mensch-Roboter-Interaktionen einen Mehrwert für Patienten zu schaffen. Zielgruppe sind Patienten, die nicht wissen, dass sie krank sind.

Der soziale Roboter, der spricht, zuhört, Gefühle zeigt und Augenkontakt hält, soll künftig an zentralen Plätzen zum Einsatz kommen. Dort wird er Besucher über typische Symptome von drei Krankheiten interviewen: Diabetes, Alkoholismus und Schilddrüsenunterfunktion. Abhängig von den Antworten gibt Petra dann Entwarnung oder empfiehlt einen Arztbesuch.

Der Roboter mit der Fellmütze ist laut Bettina Bauer ein typisches Beispiel für erfolgreiche Innovationsarbeit. Im vergangenen Jahr erklärte Merck Stockholm zu einem seiner globalen Innovation Hubs. Für Schweden sprachen laut Bauer drei Punkte: Das Land sei sehr innovativ, neuen Technologien gegenüber äußerst aufgeschlossen und ein idealer Testmarkt. Konkret etablierte Merck 2017 ein digitales Labor im Stockholmer Epicenter. Dieser Coworking-Space in der Stockholmer Innenstadt ist Treffpunkt für Start-ups, etablierte Unternehmen und Freelancer.

„Ideenfreundlicher Kontext“ fördert Innovation

Die großen Player in der Pharmaindustrie hielten nur einen Bruchteil aller Patente, erklärte Bauer. „Das reicht nicht, um Innovation voranzutreiben, und deshalb screenen wir die Start-up-Szene und den Markt.“ Der soziale Roboter Petra ist ein Resultat.

Solche Kooperationen setzen jedoch „einen ideenfreundlichen Kontext“ im eigenen Unternehmen voraus, wie die Schweden-Chefin betonte. Den zu schaffen, sei die Hauptaufgabe innovativer Führung, und dies gelinge nicht durch einzelne Tagungen oder Trainings. Wichtig sei es vielmehr, Problemstellungen deutlich zu kommunizieren, Ideen fair zu bewerten und ihr Potenzial zu sehen, Neugier wach zu halten und nicht zuletzt Kontakte zu schaffen. Und zwar von Angesicht zu Angesicht. „Menschen müssen sich treffen“, meinte Bauer.

Unabdingbare Voraussetzung für ein innovationsoffenes Unternehmensklima seien außerdem engagierte Mitarbeiter. Engagement, so Bauer, entstehe durch aktive Teilnahme, Eigenverantwortung, Vertrauen und Offenheit im Denken. „Wegen weniger guter Ideen darf man nicht schief angeschaut werden, aber gute Ideen dürfen auch nicht geklaut werden.“

Als Deutsche, die in Schweden arbeitet, kennt Bauer die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern. „In Schweden erlebe ich das ausgeprägte Gruppendenken und die Suche nach einem Konsens.“ Man halte Konformität aufrecht und traue sich nicht, Abweichendes zu äußern. In Deutschland hingegen glaubten manche, dass sie als Experten schon alles wissen. „Da bleibt dann keinen Raum für neue Ideen. Beides hemmt Innovation gleichermaßen.“

Die DSHK-Lunches der Deutsch-Schwedischen Handelskammer finden alle zwei Monate auf Deutsch statt. Sie bieten die Möglichkeit, sich – eingerahmt in eine Tischrede – bei einem Lunch auszutauschen und Kontakte mit deutschsprachigen Managern und entsandten Kräften in Schweden zu knüpfen und zu pflegen. Die nächste Veranstaltung in der Reihe findet am 5. Februar 2019 statt, dann mit Astrid Seeberger vom Karolinska Institutet als Gastrednerin.

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