30 Jahre nach der Wiedervereinigung: Berlin attraktiver Standort für schwedische Unternehmen

24.09.2020

Die Zahl der schwedischen Firmengründungen in Deutschland nimmt weiter zu. Seit 2019 sind zu den damals knapp 1.700 schwedischen Unternehmen in Deutschland weitere 112 hinzugekommen, was einem Anstieg um sieben Prozent entspricht.

Insgesamt sind aktuell rund 1.800 schwedische Unternehmen in Deutschland ansässig. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung findet man den Großteil der Firmenzentralen in den Wirtschaftszentren im Westen und Süden der Republik. In Ostdeutschland haben sich hingegen nur sehr wenige schwedische Unternehmen niedergelassen.

Ganz oben auf der Beliebtheitsliste steht Nordrhein-Westfalen mit aktuell rund 390 schwedischen Unternehmen. Es folgen Bayern (300) und Aufsteiger Berlin (250), das in diesem Jahr erstmals Baden-Württemberg (215) überholt hat. Auf dem fünften Platz liegt Hessen (180), dicht gefolgt von Hamburg (160). Außer in Baden-Württemberg hat die Anzahl schwedischer Unternehmen in allen Bundesländern der Spitzengruppe 2020 stark zugenommen.

„Schwedische Firmen beschäftigen aktuell fast 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland.“

„Wir sehen einen ungebrochen positiven Trend in den Investitionsplänen schwedischer Unternehmen Richtung Deutschland. Der deutsche Markt ist insbesondere für Einzelhandelsketten und E-Commerce-Unternehmen aus dem Königreich noch attraktiver geworden“, sagt Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

„Insgesamt liegt der schwedische Investitionsschwerpunkt in Deutschland auf Umwelttechnologien, IT und Logistik. Damit beschäftigen die schwedischen Firmen aktuell fast 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine beeindruckende Zahl, bedenkt man, dass umgekehrt deutsche Unternehmen in Schweden, als größte ausländische Investorengruppe, gut 80.000 Beschäftigte ausweisen. All dies zeigt, wie spürbar und lebendig die Wirtschaftsbeziehungen zwischen unseren Ländern sind.“

Erster Schritt außerhalb Skandinaviens

Eines der Unternehmen, die stark auf dem deutschen Markt investieren, ist die schwedische Niedrigpreis-Handelskette Rusta mit Deutschlandsitz in Lübeck.

„Die weitere Expansion in Deutschland, dem größten europäischen Einzelhandelsmarkt, hat für Rusta Priorität“, sagt Christof Sauck, Country Manager Rusta Deutschland. „In unseren bislang drei Jahren auf dem deutschen Markt haben wir schon viel gelernt. In Zukunft werden wir noch schneller neue Warenhäuser eröffnen, denn noch mehr deutsche Kunden sollen unser schnell wachsendes Einzelhandelskonzept kennenlernen und erleben dürfen.“

Ekkono Solutions AB mit Hauptsitz im westschwedischen Varberg entwickelt Lösungen für maschinelles Lernen im Internet der Dinge. In Deutschland konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf die Bereiche Automobilindustrie und Industriekomponenten.

„Die Etablierung in Deutschland ist unser erster Schritt außerhalb Skandinaviens“, sagt Jon Lindén, Geschäftsführer und Mitbegründer. „2020 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Daher verlief der Markteinstieg nicht so schnell wie ursprünglich geplant. Als das Reisen erschwert wurde, war es umso wichtiger, Personal an Ort und Stelle zu haben. Wir sind überall in Deutschland tätig. Obwohl ich mich noch an die deutsche Wiedervereinigung erinnern kann, denke ich heute nicht viel darüber nach, wo die Grenze damals lag. Jetzt geben wir Vollgas, um uns auch in Deutschland einen Namen zu machen.“

Berlin mit großer Anziehungskraft

Ein klarer Gewinner, was die schwedischen Firmengründungen in Deutschland angeht, ist Berlin. Seit 2019 haben sich dort 45 weitere schwedische Unternehmen niedergelassen, was einem Zuwachs um 22 Prozent in nur einem Jahr entspricht.

„Die deutsche Hauptstadt übt eine enorme Anziehungskraft auf Start-ups aus den Bereichen digitale Medien und E-Commerce sowie andere Tech-Unternehmen aus.“

„Da Berlin seit Langem in der schwedischen Start-up-Szene beliebt ist, ist diese Entwicklung nicht sonderlich überraschend“, sagt Ralph-Georg Tischer. „Die deutsche Hauptstadt übt eine enorme Anziehungskraft auf Start-ups aus den Bereichen digitale Medien und E-Commerce sowie andere Tech-Unternehmen aus. Ein perfektes Match, da schwedische Unternehmen in diesen Bereichen global zu den führenden gehören.“

Zu den schwedischen Unternehmen, die sich kürzlich im deutschen Start-up-Mekka etabliert haben, zählt auch Motatos. Der Onlinehändler verkauft preisgünstige Vorratswaren großer Lebensmittelmarken, die ansonsten beispielsweise aufgrund von Produktionsüberschüssen weggeworfen würden. Laut Johannes Kayser, COO und verantwortlich für die Expansion in Deutschland, fiel die Wahl auf die Hauptstadt wegen des fortschrittlichen Spirits und der aus logistischer Sicht strategisch guten Lage.

„Die Etablierung in Deutschland war für uns ein natürlicher Schritt“, sagt Johannes Kayser. „Zum einen, weil es Europas größter Markt ist, zum anderen, weil Deutschland einen besonders interessanten Lebensmittelmarkt zu bieten hat: Der Onlinehandel wächst kontinuierlich und die Bevölkerung zeichnet sich durch ein hohes Bewusstsein für Nachhaltigkeit aus. Berlin ist perfekt, um Talente anzuziehen, sowohl für die Arbeit an unserer Website als auch für unser Logistikgeschäft.“

Weiterhin schleppende Entwicklung im Osten

In den östlichen Bundesländern sind schwedische Unternehmen dagegen nach wie vor Mangelware. Nur fünf Prozent aller schwedischen Firmen in Deutschland haben ihren Sitz in den neuen Ländern. Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, auch wenn in Sachsen und Sachsen-Anhalt positive Trends zu erkennen sind.

Gleiches gilt für Brandenburg, das in den letzten Jahren ebenfalls Schwierigkeiten hatte, schwedische Unternehmen anzuziehen. In Zukunft könnte das Bundesland allerdings sowohl von der Nähe zur Hauptstadt als auch von der ansonsten dünn besiedelten Struktur profitieren, insbesondere nach der Eröffnung des Flughafen Berlin-Brandenburg, der sowohl Reisen als auch Logistik erleichtern wird.

Über die Studie: Die Deutsch-Schwedische Handelskammer hat die Standortwahl schwedischer Tochtergesellschaften (zu über 50 Prozent in schwedischem Besitz) in Deutschland untersucht. Die Analyse basiert auf Daten aus der Markus-Datenbank, die im Auftrag von Germany Trade & Invest erhoben wurden. Die Zahlen für dieses Jahr beziehen sich auf Juni 2020, die Vergleichszahlen stammen aus dem Juni 2019.

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