Bezüglich des öffentlichen Sektors hat Schweden einen klaren Vorteil bei der Nutzung von KI, der sich maßgeblich auf die Datenverfügbarkeit zurückführen lässt. Ich kann natürlich nur spekulieren, aber angesichts der Komplexität von Gesetzgebungsprozessen könnte Deutschlands Ansatz, durch Reallabore "regulatorische Experimente" durchzuführen, ein Versuch sein, nicht nur auf bestehende Regeln zu reagieren, sondern proaktiv an der Schaffung neuer Rahmenbedingungen mitzuwirken. Damit kann man agiler auf die Dynamik der KI-Entwicklung eingehen und einen Weg finden, der Innovation und Rechtssicherheit gleichermaßen fördert.
Sie sind selbst Deutsche, leben aber in Schweden – welche Unterschiede in der Geschäftskultur zwischen beiden Ländern sind für Sie am auffälligsten?
Ein Unterschied ist für mich, wie Entscheidungen getroffen werden. In Deutschland gibt es oft klare Hierarchien, während in Schweden viel mehr Wert auf Konsens und flache Strukturen gelegt wird. Pünktlichkeit und detaillierte Planung sind in Deutschland extrem wichtig. In Schweden erlebe ich eine größere Flexibilität und weniger Formalität, auch wenn Termine natürlich eingehalten werden.
Inwiefern haben diese kulturellen Unterschiede Ihre Arbeit beeinflusst?
Teamarbeit und Kollaboration sind in Schweden sehr wichtig. Meine Aufgabe als Führungskraft ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sich jeder sicher fühlt, Ideen einzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, auch wenn das bedeutet, dass der Prozess weniger geradlinig verläuft.
Wenn Sie eines Tages nach Deutschland zurückkehren würden – welche Erfahrungen aus der schwedischen Geschäftskultur würden Sie mitnehmen?
Definitiv den Mut, Hierarchien abzubauen und mehr Eigenverantwortung an Teams zu delegieren.