Några industriarbetare sitter i ett möte i ett konferensrum

Foto: Sofia Sabel/imagebank.sweden.se

Lohn- und Lohnnebenkosten in Schweden 2018

24.07.2018

Schweden ist für hohe Arbeitskosten, aber auch für gut ausgebildete, produktive Arbeitskräfte bekannt. Die Gewerkschaften haben einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt und dessen Regelungen. Ausländische Unternehmen sollten die Rolle der Arbeitnehmerorganisationen nicht unterschätzen und das Partnerschaftsverständnis berücksichtigen. Die Arbeitslosenquote ist seit 2013 rückläufig und lag 2017 bei 6,7 Prozent.

Schwedens Arbeitskräfte gelten als kompetent, zuverlässig und leistungsfähig. Das schwedische Schul- und Berufsausbildungswesen versorgt die Wirtschaft mit gut ausgebildeten und qualifizierten Absolventen. Trotz bestehender und vielfach unterschätzter Unterschiede zwischen schwedischer und deutscher Arbeitskultur überwiegen Experten zufolge eindeutig die Gemeinsamkeiten. Das Königreich wird im internationalen Vergleich als Hochlohnland eingestuft.

Die Arbeitslosenquote ist in den letzten vier Jahren leicht gesunken und lag 2017 bei etwa 6,7 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis 24 Jahre) liegt mit etwa 18 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt.

Arbeitnehmerfreundliche Regelungen

Die arbeitsrechtlichen Regelungen sind überwiegend arbeitnehmerfreundlich. Tarifverträge werden als Kollektivabkommen zwischen Arbeitgeber(verbands)- und Gewerkschaftsseite ausgehandelt. Von besonderer Bedeutung ist Fachleuten zufolge, dass zwingende Regelungen nur zu Gunsten des Arbeitnehmers verändert werden dürfen. Freie Vereinbarungen zu Lasten des Arbeitnehmers sind rechtlich nicht wirksam.

Traditionsgemäß haben die Gewerkschaften einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt, dessen Regelungen und die Arbeitsbedingungen. Sie sind in vielen Branchen unvermeidliche, aber in der Regel moderate und verlässliche Verhandlungspartner. Ausländische Unternehmen sollten die Rolle der Gewerkschaften nicht unterschätzen und das Partnerschaftsverständnis berücksichtigen.

Infolge des als gut geltenden Zusammenwirkens von Unternehmen, Gewerkschaften und Staat ist die arbeitspolitische Lage stabil und es herrscht ein verhältnismäßig hoher Arbeitsfrieden. Es gibt viele etablierte Regelungen, die für ein verlässliches Umfeld für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sorgen. Allerdings gab es seit 2016 wieder einige größere Arbeitsniederlegungen, darunter die Streiks der schwedischen SAS-Piloten, im Entsorgungs- und Baugewerbe sowie auch die der Hafenarbeiter im Göteborger Hafen.

Befristungen nicht unproblematisch

Laut der offiziellen Statistik gibt es in Schweden gut 5 Millionen Erwerbstätige (2017), von denen circa 3,8 Millionen über eine feste Anstellung verfügten, während knapp 0,8 Millionen in einem befristeten Arbeitsverhältnis standen und knapp 0,5 Millionen selbstständig waren.

Befristete Arbeitsverträge sind weit verbreitet, besonders bei der Vertretung von in Elternzeit stehenden Beschäftigten. Sogenannte Kettenbefristungen können, wie in vielen anderen Ländern, zu Problemen und zu einer unbefristeten Beschäftigung führen. Durch entsprechende Kombinationen können Kettenbefristungen indes in Schweden zu langen Befristungen führen, was vermutlich gegen EU-Recht verstößt. Ab 1. Mai 2016 wurden deshalb die Regelungen im Kündigungsschutzgesetz geändert, sodass bestimmte befristete Arbeitsverhältnisse unter Umständen schneller in unbefristete übergehen.

Auch die Teilzeitbeschäftigung wird oft genutzt und soll insbesondere dabei helfen, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. Bis zum achten Lebensjahr des Kindes beziehungsweise Ende des ersten Schuljahres haben die Beschäftigten Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung.

Moderate Lohnsteigerungen

Die in den letzten Jahren abgeschlossenen Tarifverträge haben dem im Zuge der Weltwirtschaftskrise schwieriger gewordenen Umfeld Rechnung tragen müssen. Im Jahr 2018 werden laut Analysen des renommierten Konjunkturinstitutet (KI) die Stundenlöhne insgesamt um knapp 3 Prozent steigen. Bis 2021 soll sich der Anstieg sukzessive auf dann 4 Prozent beschleunigen.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge platziert sich Schweden auf Rang drei im europäischen Vergleich der Arbeitskosten (Stundenlohn, Arbeitergeberabgaben, Boni und sonstige Leistungen). Die Arbeitskosten je geleisteter Stunde lagen in der schwedischen Privatwirtschaft 2017 umgerechnet bei 41,70 Euro. In Deutschland lag der vergleichbare Wert bei 34,50 Euro.

Dabei ergab sich für das verarbeitende Gewerbe ein Mittel von 42,00 Euro und für marktbestimmte Dienstleistungen von 41,30 Euro. Der Bruttomonatsverdienst von Angestellten im Privatsektor (Gesamtbezüge) lag nach Angaben des nationalen Statistikamtes im Dezember 2017 im Durchschnitt bei umgerechnet 4.063 Euro.

Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatslöhne

Löhne 2013 2014 2015 2016
nominal (in SEK) 30.600 31.400 32.000 32.800
nominal (in Euro)* 3.537 3.451 3.421 3.464
reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr 2,6% 2,3% 1,9% 0,8%


* Jahresdurchschnittskurse; 2013: 1 Euro = 8,6515 Schwedische Kronen (SEK); 2014: 1 Euro = 9,0985 SEK; 2015: 1 Euro = 9,3535 SEK; 2016: 1 Euro = 9,4689 SEK
Quelle: auf Grundlage von SCB-Daten

Der durchschnittliche Anstieg der Bruttolöhne der Angestellten im Privatsektor lag 2017 bei 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich über dem Durchschnitt sind die Löhne in diesem Zeitraum im Bereich der Bauwirtschaft (6,6 Prozent), im Grundstücks- und Wohnungswesen (6,5 Prozent), im Einzelhandel (ohne Kfz; 5,7 Prozent), im Hotelgewerbe/Gastronomie (5,3 Prozent) und in der Rechts-/Steuerberatung/Wirtschaftsprüfung (4,7 Prozent) gestiegen. Die höchsten Bruttomonatslöhne werden in der Finanz- und Versicherungsbranche mit durchschnittlich 5.231 Euro gezahlt.

Schweden ist insgesamt bekannt dafür, dass die Gehaltsgefüge in Unternehmen oder zwischen Berufszweigen und Hierarchieebenen wesentlich enger sind als in anderen Industrieländern.

Durchschnittliche Bruttomonatslöhne nach Branchen (privater Sektor, Angestellte)

Branche 2017 (in SEK) Veränderung 2017/2016 2017 (in Euro)*
Insgesamt 41.700 2,5% 4.328
Bauwirtschaft 43.400 6,6% 4.504
Bergbau 44.400 1,4% 4.608
Verarbeitendes Gewerbe 44.300 1,6% 4.598
Elektrizität, Gas und Wärme 43.500 2,6% 4.515
Wasser, Abwasser 39.400 1,8% 4.089
Einzelhandel (ohne Kfz) 37.200 5,7% 3.861
Verkehr und Lagerei 40.100 3,1% 4.162
Hotelgewerbe und Gastronomie 31.600 5,3% 3.280
Informations- und Kommunikationstechnologie 44.500 -1,3% 4.619
Finanz- und Versicherungsbranche 50.400 2,9% 5.231
Grundstücks- und Wohnungswesen 44.200 6,5% 4.587
Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 40.200 4,7% 4.172
Erziehung und Unterricht 33.300 3,7% 3.456
Gesundheitswesen 39.600 2,3% 4.110
Kunst, Unterhaltung und Erholung 32.700 2,2% 3.394


* Jahresdurchschnittskurs 2017: 1 Euro = 9,6351 SEK
Quelle: SCB

Prämien und Zusatzversicherungen verbreitet

Prämien sind in Schweden als zusätzliche, freiwillige Gehaltskomponenten weit verbreitet. Üblich ist beispielsweise, dass – abhängig vom Unternehmenserfolg – kleinere Beträge an die Belegschaft ausgezahlt werden. Managementgehälter haben in der Regel größere variable, leistungsbezogene Komponenten. In Makler- und anderen Verkaufsberufen ist üblicherweise ein großer Teil des Einkommens provisionsabhängig.

Für Angestellte schließen die Arbeitgeber vielfach Zusatzversicherungen und Betriebsrentenverträge ab. Je nachdem zu welchem Arbeitgeberverband ein Unternehmen gehört, sind solche Zusatzversicherungen, die beispielsweise für den Arbeitnehmer ein bestimmtes Rentenniveau absichern sollen, aufgrund bestehender Tarifverträge verpflichtend.

Hohe Sozialabgaben für Arbeitgeber

Die Sozialabgaben der Arbeitgeber liegen 2018 in Schweden mit insgesamt 31,42 Prozent gegenüber den Vorjahren unverändert hoch. Im europäischen Vergleich rangieren die Arbeitgeberabgaben damit am oberen Ende der Vergleichsskala. Insgesamt lässt sich feststellen, dass Schweden bei den Kategorien Grundlöhne und andere Zuwendungen in Europa im oberen Mittelfeld liegt, bei den Arbeitgeberabgaben jedoch zur Spitzengruppe zählt. Zu beachten ist, dass die Sozialabgaben in Schweden, zusätzlich zum Bruttogehalt, allein vom Arbeitgeber getragen werden.

Arbeitnehmer erbringen ihre Abgaben über die einkommensabhängigen Steuerzahlungen. Daneben gibt es für sie keine weiteren Abgaben, also auch keine Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung. Bei der einkommensabhängigen Steuerzahlung handelt es sich um eine Steuer, die der Arbeitnehmer von seinem Bruttogehalt zahlt. Sie richtet sich zum einen nach dem Wohnort, zum anderen nach der Einkommenshöhe.

Arbeitslosengeld wird bei Arbeitslosigkeit nur ausgezahlt, wenn der Arbeitnehmer freiwillig Mitglied einer sogenannten Arbeitslosenkasse ist und hierfür die monatlichen Abgaben mindestens ein Jahr lang entrichtet hat.

Sozialbeiträge 2018 (in Prozent der Bemessungsgrundlage)

Beitragsart Arbeitgeber Arbeitnehmer
Rentenversicherung 10,21* -
Krankenversicherung 4,35 -
Elternabgabe 2,60 -
Arbeitsmarktabgabe 2,64 -
Arbeitsunfallversicherung 0,20 -
Sonstige wichtige Abgaben Allgemeine Abgabe^: 10,72; Hinterbliebenen: 0,70 -
Gesamt 31,42 -


* Hierbei handelt es sich um die Abgabe für die staatliche Rentenversicherung. Zusätzlich entrichtet der Arbeitgeber in der Regel entweder einen freiwilligen oder, je nach Zugehörigkeit zu einem Arbeitgeberverband und damit zu einer Tarifgemeinschaft, einen abgabepflichtigen Beitrag zu einer individuellen Rentenversicherung des Arbeitnehmers.
^ ursprünglich für den EU-Beitritt Schwedens erhoben und danach beibehalten
Quelle: Skatteverket

 

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