Hingegen lässt sich diskutieren, ob die 80 Milliarden Kronen (ca. 7,23 Milliarden Euro) an erhöhten Ausgaben – immerhin 1,2 Prozent des BIP – optimal eingesetzt werden.
Eigentlich wird der schwedische Haushalt erst am 22. September komplett vorgestellt, doch wollte die Regierung ihren potenziellen Wählerinnen und Wählern schon früher mehr Hoffnung auf eine bessere finanzielle Zukunft geben. Dies geschieht hauptsächlich durch eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ab Frühjahr 2026, durch Erleichterungen bei der Einkommensteuer für Arbeitnehmende und Rentner*innen sowie bei der Strombesteuerung.
Dabei soll die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel nur temporär vom 01.04.2026 bis zum 31.12.2027 gelten. In 2026 soll dies den Staat zirka 16 Milliarden Kronen (ca. 1,46 Milliarden Euro) kosten und in 2027 satte 21 Milliarden Kronen (ca. 1,91 Milliarden Euro). Für die Zeit nach 2027 hofft man wohl, dass die Konjunktur wieder hinreichend angesprungen ist.
Wie auch von der Regierung selbst lautstark angekündigt, stehen die privaten Haushalte bei der Finanzplanung deutlich im Vordergrund. Wieviel sodann an wichtigen strukturellen Neuerungen für den Unternehmensbereich übrig bleibt, erscheint noch nicht richtig klar. Mehr hierzu am 22.09.2025.
Drei große Fragezeichen
Ob die Konsumstrategie der schwedischen Regierung und ihres budgetpolitischen Partners von den Schwedendemokraten wirklich aufgehen wird, scheint keineswegs sicher. Drei Unsicherheitsfaktoren können hierbei den Konjunkturhoffnungen der schwedischen Regierung in die Quere kommen (ohne Reihenfolge).
Eine gefährliche Zuspitzung der bereits komplizierten internationalen Lage.
Dieser Punkt bedarf wohl keiner Präzisierung.
Die Fortsetzung der Sparpräferenz der schwedischen Haushalte.
Hier liegt ein offensichtliches Risiko für die Konsumstrategie der schwedischen Regierung vor. Der Verweis auf früheres Gelingen von Konsumstimulanz garantiert keinesfalls Erfolg in unserer jetzigen Zeit bei weit größerer internationaler und nationaler Unsicherheit als vor zwei oder drei Jahrzehnten. Inzwischen sind viele schwedische Haushalte auch wesentlich stärker verschuldet bei höherer Arbeitslosigkeit als dies in den achtziger oder neunziger Jahren der Fall war.
Eine unzureichende Weitergabe der reduzierten Mehrwertsteuer seitens des Handels an die Konsument*innen.
Bei diesem Faktor besteht ein gewisses Risiko für die schwedische Regierung. Zwar haben wichtige Akteure im schwedischen Einzelhandel angekündigt, die Mehrwertsteuersenkung in vollem Maße an die Kundinnen und Kunden weiterreichen zu wollen. Dennoch bleibt unklar, in welchem Umfang dies insgesamt erfolgen wird. Um diesem Risiko entgegenwirken zu können, will die Regierung eine Kommission zur Überwachung der Lebensmittelpreise einsetzen. Ob dieses Unterfangen gelingt, bleibt abzuwarten.
Schlussfolgerung:
Es müsste schon viel Negatives zusammenkommen, wenn der geplante Konsumschub der schwedischen Regierung die Kauflaune der Haushalte nicht zumindest etwas erhöhen könnte. Risiken tun sich aber nach wie vor auf.