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Währungsrisiken in politisch unsicheren Zeiten

Eine starke Schwedische Krone trotz geopolitischer Unsicherheiten

29 April, 2026

Der politische Fokus auf mehr europäische Autonomie verhilft der Schwedischen Krone zu neuer Stärke. Petter Kjellberg beobachtet für Nordea die Wechselkurse genau und ordnet die Veränderungen der letzten Monate – auch im Kontext des Irankrieges – im Interview ein.

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Petter Kjellberg ordnet die Stärkung der Schwedischen Krone in den letzten Monaten ein. 

Foto: Nordea

Wie steht es um die Schwedische Krone?

Petter Kjellberg: Ich würde sagen, es war ein sehr interessantes Jahr für die Schwedische Krone. Gegen Ende des letzten Jahres und zu Beginn dieses Jahres haben wir einige wirklich positive Nachrichten über die Schwedische Krone gesehen – zum ersten Mal seit langer Zeit. Denn die Schwedische Krone hatte über längere Zeit hinweg eine schwache und negative Entwicklung an den Finanzmärkten gehabt. 

Woher kam diese schwach Entwicklung?

Es ist schwierig, ein genaues Erklärungsmodell anzugeben, aber einige Faktoren, die dazu beigetragen haben, sind niedrige Zinsen und eine hohe Risikoprämie, was wiederum teilweise darauf zurückzuführen ist, dass es nur ein einziges Land gibt, das diese Währung verwendet. Außerdem sind die Haushalte in Schweden hoch verschuldet. Das bedeutet: Wenn jemand in Schweden eine Wohnung oder ein Haus kauft, ist der Kreditanteil sehr hoch. Zusätzlich haben wir in Schweden einen sehr hohen Anteil an variablen Zinssätzen. Dadurch sind wir als Bevölkerung sehr zinssensibel. Wenn also die Zinsen erhöht werden müssen, um die Inflation zu bekämpfen, sinkt der Konsum, weil den Haushalten weniger Geld zur Verfügung steht. Und das führt dazu, dass das BIP zurückgeht, weil weniger ausgegeben wird.

Normalerweise wird ein Wechselkurs durch die Zinsdifferenz zwischen Währungen bestimmt. Währungen mit höheren Zinsen – wie oft der US-Dollar – sind in der Regel stärker, weil man für das Halten dieser Währung besser entlohnt wird. Bei der schwedischen Krone war es jedoch eher umgekehrt: Wenn wir die Zinsen erhöhen, entstehen große Risiken im Finanzsystem, da Haushalte ausfallen könnten. Auch der gewerbliche Immobiliensektor ist stark fremdfinanziert und oft variabel verzinst.

Und was hat sich in diesem Jahr verändert?

In diesem Jahr haben wir die Zinsen gesenkt. Da die Inflation zurückgegangen ist, konnten wir die Zinsen reduzieren, und gleichzeitig wurde so die Schwedische Krone aufgewertet. Besonders gegenüber dem US-Dollar hat die Schwedische Krone deutlich an Stärke gewonnen. Aber auch gegenüber dem Euro.

Wie ist das in so geopolitisch unsicheren Zeiten möglich?

Das war noch vor der Eskalation im Nahen Osten. Als US-Präsident Donald Trump signalisierte, dass sich die NATO-Staaten stärker selbst um ihre Verteidigung kümmern und mehr in Militär und Infrastruktur investieren sollten, wirkte sich das positiv auf Europa und auch auf Schweden aus.

Aus einer Kapitalperspektive war es so, dass ein großer Teil des schwedischen Pensionskapitals und der privaten Ersparnisse in die USA geflossen ist, da etwa 70 % Prozent globaler Indexfonds in US-Märkte investieren. Dadurch wurde viel Kapital in US-Dollar umgewandelt. Jetzt aber müssen wir einen Teil dieses Kapitals in Europa behalten, um in Militär und Infrastruktur zu investieren.

Hilft also eine stärkere europäische Unabhängigkeit der Schwedischen Krone?

Ja, weil wir eine gewisse Umschichtung sehen. Zwar investieren wir weiterhin stark in US-Unternehmen wie große Tech-Konzerne, aber ein Teil bleibt wieder in Europa.

Zudem hat Europa mit Problemen in Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland zu kämpfen – etwa bei der Energie oder Arbeitslosigkeit. In Schweden hingegen gab es einen positiven Ausblick für 2026. Durch die gesunkenen Zinsen haben Haushalte wieder mehr Geld zur Verfügung, was den Konsum ankurbelt. Anfang des Jahres gingen wir sogar von etwa 3 % Prozent BIP-Wachstum aus.

Damals – im Januar und Februar – waren wir sehr optimistisch und hatten recht ambitionierte Prognosen für die Entwicklung der Schwedischen Krone und der Zinsen. Und zunächst schien sich das auch zu bestätigen. Dann kam jedoch der Krieg im Nahen Osten und neue politische Entwicklungen.

Welche Auswirkungen hatte der Beginn des Krieges im Iran auf die Schwedische Krone?

Zunächst steigen die Ölpreise – aus offensichtlichen Gründen. Das führt zu höheren Inflationserwartungen, da höhere Ölpreise auch höhere Produktions- und Transportkosten bedeuten. Dadurch bleibt weniger Geld für Konsum übrig. Höhere Inflation führt wiederum zu Erwartungen steigender Zinsen.

Und höhere Zinsen führen in der Regel zu fallenden Aktienmärkten. Wenn die Aktienmärkte fallen, folgt oft auch die Schwedische Krone, da sie als risikobehaftete Währung gilt. In sogenannten „Risk-off“-Phasen steigen typischerweise der US-Dollar, der Ölpreis und oft auch Gold – während die Schwedische Krone schwächer wird.

Trotzdem hat sich die Schwedische Krone diesmal vergleichsweise gut gehalten. Beim Einmarsch Russlands in die Ukraine wurde sie deutlich stärker und schneller abgewertet. Diesmal war die Abwertung moderater.

Das deutet darauf hin, dass sich die Wahrnehmung der schwedischen Krone verbessert hat. Zwar ist der US-Dollar wieder stärker geworden gegenüber Euro und der Schwedischen Krone, aber die Schwedische Krone hat sich gegenüber dem Euro relativ stabil gehalten. Wir erwarten, dass sie auch weiterhin stabil bleibt.

Auch wenn noch mehr unerwartete Ereignisse eintreten? Die Situation im Iran ist schließlich immer noch sehr instabil.

Wenn sich die Situation verschärft und die Inflation weiter steigt, müsste die schwedische Zentralbank die Zinsen wieder erhöhen. Dann hätten wir wieder das alte Problem: weniger Konsum, geringeres Wachstum – was schlecht für die Schwedische Krone wäre.

Bedeutet eine starke Schwedische Krone auch gute Chancen für deutsche Unternehmen in Schweden?

Wir konzentrieren uns weniger darauf, ob der Wechselkurs „gut“ oder „schlecht“ ist. Wichtiger ist: Mit welchem Wechselkurs kann ein Unternehmen profitabel arbeiten? Wenn ein Unternehmen mit dem aktuellen Kurs Gewinne erzielen kann, sollte es überlegen, das Risiko abzusichern – etwa durch das Festschreiben von Wechselkursen.

Wir investieren viel Zeit und Ressourcen in Risikoanalysen. Entscheidend ist: Was möchte ein Unternehmen absichern? Den Cashflow? Das Eigenkapital? Zukünftige Dividenden? Je nach Ziel entwickeln wir Strategien.

Content Redakteur

Anton Beck

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