Ein Blick auf die Konjunkturtabellen von Finanzministerin Elisabeth Svantesson offenbart weiterhin deutlichen Konjunkturoptimismus (regeringen.se). So wurden beispielsweise die Prognosen fur das BIP und den privaten Konsum jetzt nur minimal nach unten revidiert - trotz aller Kriege und Konflikte, die bereits negative Spuren sowohl pychologisch als auch realökonomisch bei schwedischen Haushalten und Unternehmen hinterlassen.
Fur 2026 rechnet die schwedische Regierung nunmehr mit einem Wachstum des BIP in Höhe von 2,8 Prozent. 2027 sollen es immerhin noch 2,5 Prozent werden, was allerdings nicht ausreicht, um die hohe Arbeitslosigkeit schon in diesem Jahr auf weniger als 8,4 Prozent zu bringen.
Wenn alle externen Probleme von der Regierung offensichtlich als temporär eingeschätzt werden, erscheint es inkonsequent oder gar falsch, die privaten Haushalte - wie inzwischen geplant - mit niedrigeren Benzinsteuern zu entschädigen. Oder ist man seitens der Regierung insgeheim doch besorgter ob der nach wie vor schleppenden Konjunktur als dies in Worten und Zahlen des Ergänzungshaushalts zum Ausdruck kommt?
Dabei sollte man vor Augen halten, dass Finansministerin Elisabeth Svantesson auch nach jungsten Erkenntnisen fur 2026 und 2027 noch einen Anstieg des privaten Konsums in Höhe von 3,1 respektive 2,6 Prozent prognostiziert - verglichen mit 3,2 und 2,8 Prozent im Dezember.
Bei deutlich schwächerer Entwicklung könnte auch die finanzpolitische Strategie der Regierung kläglich scheitern, da im bereits existierenden Haushalt fur 2026 nicht weniger als 40 Milliarden Kronen zur Stimulierung des privaten Konsums geplant sind. Das heisst mit anderen Worten, dass das Schicksal der schwedischen Konjunktur und Regierung in hohem Masse vom weiteten Konsumentenvertrauen abhängt. Oder kommt es zu einer weiteren Erhöhung der Sparquote?
Auch die Reichstagswahlen sorgen fur Unsicherheit
Erschwert wird die Deutung der Regierungsprognose auch durch den wahlstrategischen Wunsch, die Konjunktur bei aller Unsicherheit eher etwas zu positiv als zu negativ erscheinen zu lassen. Es gilt herbei zu bedenken, dass die jetzige burgerlich-konservative Regierung derzeit bei Wahlen keine Mehrheit im Parlament erreichen wurde.
Deshalb hat sich Ministerpräsident Kristersson schon mit den rechtskonservativen Schwedendemokraten verständigt, diese in die nächste Regierung aufnehmen zu wolleln, was aber von den jetzigen Koalitionspartnern nicht sonderlich positiv aufgenommen wurde. Insgesamt muss man in Schweden mit einem hitzigem Wahlkampf rechnen.
Konjunkturprognosen sagen derzeit nicht allzu viel aus
Im Hinblick auf die oben genannten Unsicherheitsfaktoren, macht es momentan wenig Sinn, Konjunkturprognosen genauer zu beurteilen. Intern in Schweden besteht das Risiko. dass Schlussfolgerungen wahlstrategisch gefärbt werden. Und die externen Risiken sind fur den schwedischen Markt mehr oder weniger dieselben wie fur den deutschen - also erheblich.
Selbstverständlich wäre stabiler Frieden im Iran und der Ukraine ein Konjunkturgeschenk erster Guete fur die schwedische Wirtschaft. Bleibt die Hoffnung, dass die Regierung mit ihrem derzeitigen Optimismus recht behält.
Dies ist zwar möglich, aber weiterhin eher unwahrscheinlich. Hoffentlich wird sich meine jetzige Einschätzung als falsch erweisen.