Schwedische Krone am 02.11.2022: SEK/EUR 10.89, EUR/SEK 0.0918, Quelle: Swedbank / Macrobond

Unverständnis für die Schwedenkrone lebt weiter

04.11.2022

Betrachtet man die Entwicklung der schwedischen Krone in diesem Jahr, so kam es auch in 2022 vom Trend her zu einer sichtbaren Abschwächung. Das widerspricht den meisten Vorhersagen von vor einem Jahr. Damals wusste man natürlich noch nichts vom bevorstehenden Krieg in der Ukraine und auch nichts von der schlimmen globalen Energiekrise. Prof. Hubert Fromlet, Senior Advisor bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, erklärt warum sich die schwedische Krone in diesem Jahr überwiegend schwach entwickelt hat.

Weltbewegende Ereignisse wie in diesem Jahr kommen in der Regel völlig überraschend und sind daher im Vorhinein nur selten Bestandteil von Währungsprognosen. Auch andere Ereignisse und Entwicklungen können den Wechselkurs einer Währung beeinflussen – hier der Krone gegenüber dem Euro – ausgehend sowohl in Schweden als auch im E(M)U-Raum.

„Manchmal kommen währungsrelevante Nachrichten so unerwartet und mit gewichtigen Folgen, dass frühere Währungsprognosen komplett revidiert werden müssen.“

Manchmal kommen währungsrelevante Nachrichten so unerwartet und mit gewichtigen Folgen, dass frühere Währungsprognosen komplett revidiert werden müssen.

Die Krone und der Euro

Schweden bedient sich nach wie vor einer flexiblen Wechselkurspolitik – gemäß dem Prinzip der marktwirtschaftlichen Preisbildung durch Angebot und Nachfrage. Dies bedeutet logischerweise permanent (leicht) veränderliche Wechselkurse auch zwischen der Krone und dem Euro – hin und wieder auch angetrieben durch psychologische Übertreibungen. Hält eine deutliche Entwicklung in die gleiche Richtung über längere Zeit an – zum Beispiel über mehrere Monate hinweg – kann ein schon früher begonnener langfristiger Trend weiter bestätigt oder vielleicht auch eine (temporäre) Trendwende eingeleitet werden.

Zunächst lässt sich vor oder während einer Trendentwicklung jedoch lediglich eine Vielzahl von Indikatoren mit potenziell kurzfristig wirksamem Währungseinfluss ausmachen. Hierzu gehören unter anderem Politik (allgemein), Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Wachstum, Inflation, Zinsen, Außenhandel, staatliche und private Verschuldung, Kreditschwemme und Blasenbildung bei den Vermögenswerten (Aktien und Immobilien) – mit eventuell direkt folgenden Reaktionen am Devisenmarkt.

Derartige schnelle Reaktionen können sich später bei weiteren Nachrichten in die gleiche Richtung wiederholen und dadurch eine schon früher eingeleitete Währungsentwicklung bis hin zum Trend weiter fortsetzen oder verstärken.

Auf den Zeitraum kommt es an

Moderne Forschung kommt unter anderem zu der interessanten Schlussfolgerung, dass sich Währungsprognosen gerade für den Zeitraum von zirka 3 bis 24 Monaten am schwierigsten gestalten – sogar noch schwieriger als Währungsbeurteilungen für deutlich längere Zeiträume (mit Perspektiven für Investitionspläne).

„Wenn zum Beispiel die schwedische Reichsbank immer wieder ihr Unverständnis über die schwache Krone ausdrückt, geschieht dies vor allem mit Hinweis auf die gute fundamentale Gesundheit der schwedischen Wirtschaft und der öffentlichen Finanzen.“

Wenn zum Beispiel die schwedische Reichsbank immer wieder ihr Unverständnis über die schwache Krone ausdrückt, geschieht dies vor allem mit Hinweis auf die gute fundamentale Gesundheit der schwedischen Wirtschaft und der öffentlichen Finanzen. Dies allein wird jedoch kaum Reaktionen auf den FX-Spotmärkten hervorrufen. Erklärungsfaktoren für eine zukünftig stärkere Krone wie gesunde Wirtschaft und öffentliche Finanzen sind eher längerfristig von Belang und beeinflussen die Entwicklung der Krone bestenfalls bei mehrjähriger Perspektive und nicht spontan schon vor Ablauf von 24 Monaten – ein Zeitraum, der sich bekannterweise nicht für Währungsprognosen eignet. Aber genau diese 24 Monate sind sehr wichtig für viele Unternehmen und ihren Außenhandel – auch für den Handel zwischen deutschen und schwedischen Unternehmen.

Wenn auch die moderne Forschung manchmal Fortschritte beim Erstellen von Währungsprognosen zum Ausdruck bringt, wurden bislang meines Erachtens noch keine einigermaßen anwendbaren Prognosemodelle entwickelt. Daher sollten Unternehmen auch zukünftig Währungsprognosen nicht allzu viel oder gar keine Bedeutung beimessen und stattdessen besser die aktuellen Entwicklungen und wichtige Trends sorgfältig im Auge behalten – bei den Trends beispielsweise Themen, die Demokratie, Demographie und Digitalisierung berühren.

 

Kontakt

Hubert Fromlet

Affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität und Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer