In Schweden steigt die Zuversicht
19.01.2026
In Schweden häuften sich zuletzt ermunternde Konjunktursignale. Gleichzeitig sieht man die politische Unsicherheit sowohl auf internationaler als auch auf einheimischer Ebene vielerorts wohl etwas zu gelassen, meint Professor Hubert Fromlet, Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.
In Deutschland könnte man als Analyst durchaus der Meinung sein, dass sich die Stimmung in der Wirtschaft sogar negativer darstellt als die Zahlen für die reale Wirtschaftsentwicklung. Was Schweden betrifft, scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Generell werden Schwedens Aussichten für das kommende Jahr relativ vielversprechend beurteilt.
Bessere Zahlen
Fakt ist, dass sich auch die statistischen Indikatoren für Schwedens Wirtschaft seit einiger Zeit etwas günstiger entwickelt haben. Noch vor Weihnachten konstatierte das unabhängige staatliche Konjunkturinstitut („Konjunkturinstitutet“, KI), dass die schwedische Konjunktur inzwischen auf festerem Grund steht.
Dies zeichnete sich schon während des Herbstes ab. Wirtschaftliche Daten zeigten sich gegen Ende des vergangenen Jahres in einem günstigeren Licht. Gemäß vorläufiger Statistik stieg das schwedische BIP im November 2025 mit 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat und mit 2,7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat.
Als besonders erfreulich erwiesen sich im November die Auftragseingänge in der Industrie, die verglichen mit dem Vormonat um beachtliche 11,8 Prozent zunahmen – allerdings bei deutlich stärkerer Nachfrage aus dem Ausland als vom schwedischen Binnenmarkt, was für weiterhin gute schwedische Wettbewerbsfähigkeit spricht.
Aber immerhin konnte auch der private Konsum im November um 1,0 Prozent gegenüber Oktober 2025 gesteigert werden. Dies entspricht einem Zuwachs von 3,5 Prozent auf Jahresbasis. Schließlich soll der Konsum der privaten Haushalte zusammen mit kräftig erhöhten Verteidigungsausgaben nach den Plänen der Regierung im Wahljahr 2026 für die erhoffte spürbare Konjunkturbelebung sorgen (Wahltermin 13.9.).
Konjunkturwende und selbsttragender Aufschwung?
Konjunkturwende? Ja, höchstwahrscheinlich. Dazu muss aber gesagt werden, dass die zuletzt verbesserte Produktion der schwedischen Wirtschaft noch nicht sonderlich lange andauert. Von einem sicheren neuen Trend kann noch nicht die Rede sein. Um von einem Trend sprechen zu können, braucht es zumindest noch einige weitere Monate mit Produktionssteigerungen. Ein Anfang ist aber gemacht.
Selbsttragender Aufschwung? Der ist noch nicht da - wie schon angedeutet - aber auf gutem Weg wegen der umfangreichen finanzpolitischen Stimulanz im Wahljahr 2026. Aber noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Dies lässt sich vor allem mit bereits existierenden internationalen kriegerischen Konflikten und weiteren schwelenden Kriegsrisiken erklären - und den damit verbundenen Risiken zunehmender globaler Eskalation.
Überdies sollten die Risiken für platzende Finanzblasen an Börsen und Immobilienmärkten nicht unterschätzt werden (AI und China) – Faktoren, die bei schlimmer Entgleisung durchaus die globale Konjunktur und damit auch die Nachfrage nach schwedischen Exportgütern beeinträchtigen könnten.
Hierbei ist mein Eindruck, dass man in Schweden die internationalen Risiken etwas weniger akut betrachtet als dies in Deutschland der Fall ist. Das heißt mit anderen Worten, dass sich Stimmung in der schwedischen Wirtschaft offensichtlich etwas günstiger darstellt als es der gegenwärtigen faktischen Wirtschaftslage entspricht. Dies muss jedoch nicht negativ sein, wenn sich die Konjunktur im Laufe von 2026 wirklich deutlich verbessert.
Arbeitsplatzsorgen weiterhin größtes wirtschaftliches „Sorgenkind“ – doch existieren zwei verschiedene Zeitreihen
Vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt bereitet weiterhin große Sorgen in der schwedischen Gesellschaft. Dies nimmt kaum wunder bei einer Arbeitslosenquote im November von 6,7 oder auch 8,2 Prozent. Es gehört zu den Eigenarten der schwedischen Statistik, dass jeden Monat zwei verschiedene Zahlen von zwei verschiedenen Institutionen die Runde machen.
Für die erstgenannte Arbeitslosenquote ist das schwedische Pendant zur deutschen Bundesanstalt für Arbeit verantwortlich namens „Arbetsförmedlingen“ (AF). Bei der Ermittlung dieser Zahl werden nur bei der Behörde registrierte Arbeitslose erfasst.
Die vergleichsweise höhere Arbeitslosenquote wird dagegen auf der Basis von Umfragen des statistischen Zentralamts ermittelt (Statistiska Centralbyrån, SCB). Hier findet man Schwedens offizielle Arbeitslosenquote, die auch zu Vergleichszwecken in der EU benutzt wird.
Trotz allgemein prognostizierter Konjunkturverbesserung im Jahr 2026 ist in Schweden nur mit einem relativ geringen Rückgang der weiterhin allzu hohen Arbeitslosigkeit zu rechnen. Hier findet sich auch das größte Konjunkturrisiko am schwedischen Binnenmarkt wegen zukünftig eventuell aufs Neue zaudernder Konsumenten.
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