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Gregor Vulturius ist Lead Scientist und Advisor in Climate & Sustainable Finance bei der SEB.

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„Deutsche Unternehmen haben durch SFDR 2.0. eine größere Chance sich für nachhaltige Finanzprodukte zu qualifizieren“

07.01.2026

Mit SFDR 2.0 erscheint der Vorschlag einer zentralen neuen Nachhaltigkeits-Richtlinie der EU. Was das für deutsche und schwedische Unternehmen bedeutet, und wie zentral das Thema Nachhaltigkeit aktuell ist, erklärt der SEB-Experte Gregor Vulturius.  

Am 20. November 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission die überarbeitete Regulierung SFDR 2.0. In erster Linie hilft die Regulierung Asset Managern und Banken nachhaltige Finanzprodukte besser zu kategorisieren. Inwiefern betrifft sie aber auch Unternehmen? 

Gregor Vulturius: SFDR 2.0 betrifft Unternehmen indirekt. Es gibt drei Kategorisierungen nachhaltiger Finanzprodukte: Sustainable, Transition und ESG Basics. Je nachdem, wie attraktiv ein Unternehmen für Investments sein möchte, gilt es die eigenen Investitionen und unternehmerischen Ziele an diese neuen Anforderungen anzupassen. 

Was ist der wichtigste Aspekt der neuen SFDR-Regulierung aus Ihrer Sicht? 

SFDR 1.0 war nur eine Disclosure-Regulierung und keine Produkt-Regulierung. SFDR 2.0 ist letzteres. Mit SFDR 2.0 kann eine Bank oder ein Asset-Manager also Produkte – etwa einen Fonds – mit diesem Label SFDR 2.0 herausgeben. Das erhöht die Standardisierung im Markt und die Transparenz. 

SFDR 2.0 ist eine europäische Regulierung. Was bedeutet sie konkret angewandt auf Schweden und Deutschland? 

Die Kategorisierung von Transition-Funds ist für die beiden Länder interessant. Das betrifft etwa Unternehmen, die auf dem Weg sind, Netto-NullEmissionen zu erreichen. Gerade in Deutschland gibt es viele Unternehmen, die nicht komplett CO2-frei sind, sei es in der Stromversorgung oder der verarbeitenden Industrie – und diese haben durch SFDR 2.0 eine größere Wahrscheinlichkeit sich fürTransition-Funds zu qualifizieren. 

In Schweden sind viele Unternehmen ohnehin schon sehr nachhaltig – was den Austausch von CO2-Emissionen betrifft. Das hat damit zu tun, dass in Deutschland ein anderer Energiemix vorhanden ist als in Schweden, aber auch der Anteil an verarbeitender Industrie größer ist. 

Wenn wir die Taxonomie verlassen und das größere Bild betrachten, dann fällt auf, dass Nachhaltigkeit momentan in einem negativen Licht steht. Wie kommt das? 

Mit dem Green-Deal kam die Frage, wie wir Europas Wirtschaft nachhaltig umstellen können. Dahinter stand die Idee, Unternehmen und Investoren vorzuschreiben, welche Ziele sie erreichen müssen und wie sie die Fortschritte rapportieren müssen. Es fehlte eine angebotsorientierte Politik, die Unternehmen bei der Umstellung auf CO2-arme Produkte unterstützt. Das gepaart mit der Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit Europas führte zu einem Rückgang politischer Nachhaltigkeitsambitionen. Ich würde aber behaupten, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung oft als Beispiel genommen wird, um eine generelle Bürokratisierung zu kritisieren.  

Zudem erschwert das Abschaffen von Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen es Unternehmen in diesem Sektor, überzeugend darzustellen, wie nachhaltig sie sind, da keine sektorübergreifende Analyse mehr möglich ist. 

Wie nahmen Sie die Stimmung bei der SEB wahr? 

Wir bei der SEB sehen keine geringere Nachfrage an grünen Anleihen, bei denen die Mittelverwendung direkt an Investitionen in größere Nachhaltigkeit gebunden ist. Wir sahen kurze Zeit ein geringeres Interesse an nachhaltigkeitsgebundene Kredite. Inwiefern das aber eine Folge von weniger Interesse an Nachhaltigkeit ist oder an der makroökonomischen Lage liegt, ist schwer zu sagen.  

Global kann der Eindruck entstehen, dass immer weniger Länder sich um Nachhaltigkeitsthemen kümmern. Steht Europa im globalen Kontext als Einzelkämpfer für eine nachhaltige Wirtschaft da? 

In den USA haben wir eine spezielle Situation, da sie durch eigene Energiequellen autark sein können. In Asien würde ich diesem Eindruck aber nicht zustimmen. China installierte über 200GW an Solarkapazität. 

Zudem müssen wir uns als Europa eingestehen, dass wir – wie in China – ausgenommen der Kohle, keine eigenen Energierohstoffe haben. 60 Prozent der Primärenergie in Europa müssen wir importieren. Wir müssen uns klar machen: Die Technologien, die am billigsten sind und am schnellsten zu realisieren, sind Sonne und Wind.  

Es herrscht also durchaus ein Wettbewerb. Sind wir in Europa zu streng mit Regularien? Bremsen wir uns unnötig aus? 

In Singapur gibt es auch Nachhaltigkeitsregularien. Ebenso in Japan und Korea. China ist ein Sonderfall, aber dort wird Nachhaltigkeit und Clean Tech als Wettbewerbsvorteil von der Politik aktiv vorangetrieben. Natürlich sind wir in Europa dabei immer Vorreiter, aber die Idee, dass ein Regulator Richtlinien und Anforderungen aufstellt, damit kein Greenwashing betrieben wird, ist durchaus ein Vorteil.  

Vor kurzem fand die UN-Klimakonferenz im Belém statt. Das Echo davon war sehr ernüchternd, weil es wenige konkrete Beschlüsse gab. Stimmt der Eindruck? 

Ich glaube, dabei handelt es sich um ein Erwartungsproblem. Seit der Klimakonferenz in Paris 2015 besteht ein Turnus. Es geht darum, dass die Länder alle paar Jahre die nationalen freiwilligen Beiträge zum Klimaschutz vorstellen. Anfänglich sind die politischen Ambitionen gestiegen, aber in den letzten Jahren können wir Stagnationen, was nationale Pläne zur Emissionsreduktion betrifft, beobachten. Aber die Erwartungshaltung, dass bei einer solchen Konferenz ein großer Durchbruch an Entscheidungen stattfinden sollte, ist unrealistisch.  

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Anton Beck

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