Auf Einladung der Deutsch-Schwedischen Handelskammer stellte Maria Kusmina vom BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) auf der Almedalsveckan, Schwedens wichtigster politischer Dialogplattform, die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag Innovationen aus der industriellen Gesundheitswirtschaft für die Zukunft des Gesundheitswesens leisten können.
Die Prognos-Studie untersucht Innovationen aus der gesamten industriellen Gesundheitswirtschaft: Pharma, Medizintechnik, Biotechnologie und Digital Health. Die Ergebnisse zeigen, dass bessere Versorgung und höhere Effizienz kein Widerspruch sein müssen. Bereits heute verfügbare Innovationen könnten nach Berechnungen der Studie jährliche Effizienzgewinne von mehr als 20 Milliarden Euro im deutschen Gesundheitssystem ermöglichen. Bei einer breiteren Anwendung könnte das Potenzial bis 2045 auf nahezu 48 Milliarden Euro pro Jahr steigen.
Für Kusmina zeigt die Studie vor allem, dass sich die Debatte über Gesundheit nicht auf Ausgaben beschränken sollte. Eine gesündere Bevölkerung bedeutet weniger krankheitsbedingte Ausfälle und bessere Chancen auf ein längeres Erwerbsleben. Davon profitieren nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Sozialversicherungen und die Volkswirtschaft insgesamt. „Die Frage ist nicht nur, was Gesundheitsversorgung kostet. Die Frage ist auch, welchen Wert Gesundheit schafft“, sagte Kusmina in Almedalen.
Gesundheitsdaten als Grundlage für medizinischen Fortschritt
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Nutzung von Gesundheitsdaten. Aus Sicht des BDI entscheidet sich hier, wie schnell neue Erkenntnisse ihren Weg in die Versorgung finden. Gesundheitsdaten können helfen, Krankheiten früher zu erkennen und Therapien gezielter einzusetzen. Gleichzeitig schaffen sie die Grundlage für Forschung und die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten.
Kusmina verwies dabei auf die Erfahrungen Schwedens. Das Land nutzt Gesundheitsregister seit vielen Jahren für Forschung und Versorgung. Deutschland könne von diesem Ansatz lernen, ohne den Schutz sensibler Daten infrage zu stellen.
Dabei gehe es nicht darum, Datenschutz gegen Innovation auszuspielen. Vielmehr müsse stärker darüber gesprochen werden, welchen konkreten Nutzen Gesundheitsdaten für Patientinnen und Patienten entfalten können. „In Deutschland diskutieren wir häufig über die Risiken der Datennutzung. Wir sollten stärker darüber sprechen, welchen Nutzen Gesundheitsdaten für eine bessere Versorgung haben können“, sagte Kusmina.
Eine Branche mit volkswirtschaftlicher Bedeutung
Darüber hinaus hob Kusmina die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft für den Standort Deutschland hervor. Die Branche erwirtschaftet jährlich mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigt über eine Million Menschen und zählt zu den innovationsstärksten Wirtschaftsbereichen des Landes.
Angesichts einer alternden Bevölkerung werde die Frage immer wichtiger, wie sich medizinischer Fortschritt schneller in die Versorgung bringen lässt. Aus Sicht des BDI liegt darin ein zentraler Hebel, um die Qualität des Gesundheitssystems zu sichern und den wachsenden Druck auf die Sozialversicherungen zu begrenzen.
Die Diskussion in Almedalen machte damit vor allem eines deutlich: Die Zukunft der Gesundheitssysteme entscheidet sich nicht allein an der Frage, wie Ausgaben begrenzt werden können. Ebenso wichtig ist, welchen Beitrag Gesundheit selbst für Wertschöpfung, Beschäftigung und die langfristige Tragfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme leisten kann.