„Nach dem Krieg stieg die Nachfrage nach schwedischen Produkten stark an. Schwedische Fabrikanten und Unternehmer wurden immer übermütiger“, erklärt Fagerfjäll weiter. „1955 kamen die schweren Motoren für Nutzfahrzeuge und die Industrie lief auf Hochtouren. Meine Eltern, die aus dem Arbeitermilieu kamen, konnten ihre Realeinkommen innerhalb von zehn Jahren verdoppeln und sich sogar einen Volkswagen leisten. Doch in den frühen 1970er-Jahren hatte Deutschland aufgeholt. Die Löhne waren in Schweden einfach zu stark gestiegen.“
Zwischen Schweden und Deutschland liegt die Ostsee. Welche Bedeutung hatte sie für die Wirtschaftsbeziehungen?
Ronald Fagerfjäll: Die Ostsee definiert das deutsch-schwedische Verhältnis. Schweden ist nur eine Seereise von Deutschland entfernt und historisch gesehen war dies der beste Transportweg zwischen den beiden Ländern. Die Verbreitung der Hanse im Ostseeraum ist ein Beispiel dafür.
Gustav Wasas Lehren aus Deutschland
Blickt man einige Jahrhunderte zurück, kann auch Schwedens legendärem König Gustav Wasa (1496–1560) eine große Bedeutung für die deutsch-schwedischen Beziehungen zugeschrieben werden. Wasa, der Latein und Deutsch an der Universität Uppsala studiert hatte, führte in seinem Königreich eine starke Zentralregierung mit einer effizienten Bürokratie und eine evangelische Staatskirche nach den Lehren Martin Luthers ein.
Hatten die schwedischen Könige auch einen großen Einfluss auf die deutsch-schwedischen Beziehungen?
„Er musste sich seine Legitimation aus Deutschland holen, da die katholische Kirche ihn nicht anerkannte. Zu dieser Zeit gab es Deutsche überall in Schweden: Akademiker, Techniker und Geschäftsleute“, erklärt Fagerfjäll.
„Aber die Reformation im 16. Jahrhundert führte zu religiösen und sozialen Konflikten, die im folgenden Jahrhundert in den Dreißigjährigen Krieg mündeten. Als 1648 schließlich der Westfälische Frieden unterzeichnet wurde, war Schweden eine Großmacht. Hierzulande wird der Dreißigjährige Krieg meist mit großen militärischen Erfolgen in Verbindung gebracht. In Deutschland assoziiert man ihn jedoch eher mit großen Verwüstungen und Zerstörungen, die an die Weltkriege des 20. Jahrhunderts erinnern.“