Künstliche Intelligenz zählt inzwischen zu den wichtigsten Investitionsfeldern nordischer Unternehmen und Organisationen. Dennoch zeigt die aktuelle Studie von Radar und Nagarro, dass lediglich 8,3 Prozent KI bereits als standardisierte Fähigkeit unternehmensweit etabliert haben. Gleichzeitig fehlen vielen Organisationen klare Mechanismen zur Erfolgsmessung ihrer KI-Initiativen, und nur ein geringer Anteil überwacht systematisch die mit KI verbundenen Risiken.
Die Studie macht zudem deutlich, dass die größten Hürden für die weitere digitale Entwicklung heute nicht technologischer, sondern organisatorischer Natur sind.
Von digitaler Reife zur digitalen Umsetzungskompetenz
Obwohl viele nordische Organisationen einen hohen Grad an digitaler Reife erreicht haben, fällt es ihnen weiterhin schwer, digitale Investitionen in messbare Geschäftsergebnisse umzuwandeln. Technologie ist heute ein zentraler Bestandteil von Geschäftsmodellen, Prozessen und Kundenerlebnissen. Governance-Strukturen, Finanzierungsmodelle und organisatorische Rahmenbedingungen basieren jedoch häufig noch auf überholten Arbeitsweisen.
Auch bei der Umsetzung digitaler Initiativen bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen. Nur 47 Prozent der IT-Projekte bleiben im Budgetrahmen, 51 Prozent werden fristgerecht abgeschlossen und lediglich 60 Prozent erreichen die von den Fachbereichen geforderte Qualität.
Laut der Studie ist die Lücke zwischen digitalen Investitionen und dem daraus entstehenden Geschäftswert vor allem strukturell bedingt. Während die Kosten der digitalen Transformation meist von den IT-Abteilungen getragen werden, entstehen die Vorteile in den Geschäftsbereichen. Dadurch wird es schwieriger, Investitionen wirksam zu steuern und ihren tatsächlichen Nutzen zu bewerten.
Die Untersuchung baut auf einer Analyse von Radar und Nagarro aus dem Jahr 2025 auf. Bereits damals wurde eine wachsende Diskrepanz zwischen digitalen Investitionen und den erzielten Ergebnissen festgestellt. Die aktuelle Studie geht einen Schritt weiter und zeigt, dass die Ursachen vor allem in den Bereichen Governance, Finanzierung, Verantwortlichkeiten und Organisationsstrukturen liegen.
Unternehmen messen noch immer die falschen Kennzahlen
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist, dass sich viele Organisationen weiterhin auf Kostenkontrolle und operative Stabilität konzentrieren, während Kennzahlen zu Innovation, Markteinführungsgeschwindigkeit und Umsatzwirkung deutlich seltener erhoben werden.
Mehr als die Hälfte der befragten Organisationen gibt an, Innovation, Umsatzbeiträge oder die Geschwindigkeit, mit der neue Ideen auf den Markt gebracht werden, nicht systematisch zu messen. Gerade diese Faktoren entscheiden jedoch zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit.
„Es ist schwierig, Wertschöpfung zu steuern, wenn hauptsächlich Kosten gemessen werden. Viele Organisationen erfassen Betriebs- und Budgetkennzahlen sehr präzise, aber deutlich weniger messen, ob digitale Transformation tatsächlich zu mehr Innovation, schnelleren Entwicklungszyklen oder besseren Geschäftsergebnissen führt. Um die Wertlücke zu schließen, müssen Unternehmen auch den Wert messen, den sie schaffen wollen“, sagt Frederik Sahlin, Sales Director von Nagarro Software AB.
Die Studie identifiziert mehrere Handlungsfelder, die entscheidend sind, um die Lücke zwischen digitalen Investitionen und Geschäftsergebnissen zu verringern. Dazu gehören Governance- und Finanzierungsmodelle, die Technologieinvestitionen stärker mit Geschäftszielen verknüpfen, eine bessere Messung von Geschäftswert und Innovationsleistung, eine engere Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT sowie ein strategischerer Einsatz von KI, bei dem die Technologie in zentrale Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten integriert wird.