Schwedens Wirtschaft erholt sich
27.02.2026
Der konjunkturelle Wendepunkt ist nun auch statistisch durchschritten. Dennoch bleiben Fragezeichen, was die Stabilität des Aufschwungs 2027 und danach betrifft – nicht zuletzt wegen der im September anstehenden schwedischen Parlamentswahlen und der geopolitischen Unsicherheit, meint Professor Hubert Fromlet, Senior Adviser der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.
2025 hat sich das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) besser entwickelt als man vor einem Jahr erwarten konnte. Im Vergleich zu 2024 konnte im vergangenen Jahr immerhin ein Plus von 1,5 Prozent erreicht werden. Das Ergebnis für das vierte Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal lag mit 0,5 Prozent deutlich über den Erwartungen der Märkte in Höhe von 0,2 Prozent. Immerhin hat man inzwischen das BIP des Vorquartals zum dritten Mal hintereinander übertroffen. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass Schweden die konjunkturelle Talsohle sogar durchschritten hat. Stärke und Nachhaltigkeit des zukünftigen Wachstums lassen sich aber noch nicht genau erkennen. Offensichtlich reichen die gegenwärtigen Wachstumsraten nicht aus, um die die hohe Arbeitslosigkeit spürbar zu reduzieren (8,7 Prozent im Januar).
Im Detail hatten die wichtigsten Komponenten von Schwedens BIP in Q4 2025 folgende prozentuellen Veränderungen verglichen mit Q3 2025 (Q4 2025 / Q4 2024 in Klammer) :
Privater Konsum +0,9 (+2,5)
Öffentlicher Konsum +2,3 (+2,4)
Bruttoinvestitionen +2,9 (+4,2)
Nettoexport -1,2
BIP +0,5 (+2,1)
Gemäß offizieller Statistik sorgten vor allem Konsum und Investitionen des schwedischen Staates sowie der private Konsum für die positiven BIP-Zahlen im vierten Quartal, während sich der Nettoexport (Export minus Import) relativt schwach entwickelte. Schwierigkeiten zeigten sich vor allem beim Export von Investitionsgütern. Die Investitionsausgaben der privaten Wirtschaft lagen auch zuletzt im negativen Bereich. Das bedeutet, dass der gegenwärtige Aufschwung in erster Linie von den Staatausgaben und den im letzten Jahr erfolgten Zinssenkungen getragen wird.
Der Wahlkampf hat schon begonnen
Eigentlich sind sich Schwedens Wirtschaftsexperten einigermassen einig bezüglich der BIP-Prognosen für die nächsten zwei Jahre aus rein konjunktureller Sicht. Für das BIP werden generell Wachstumsraten von 2 ½-3 Prozent für 2026 und von 2-2 ¼ Prozent für 2027 erwartet. Hingegen streiten sich die Geister über den Inhalt der wirtschaftspolitischen Stimulanz und die mögliche Nachhaltigkeit des erhofften Wachstumsschubs durch die staatlichen Ausgabenprogramme, von denen hauptsächlich die privaten Haushalte und die Verteidigungswirtschaft profitieren sollen.
Wie immer die aktuelle wirtschaftspolitische Debatte zwischen der bürgerlichen Regierung und vor allem der sozialdemokratischen Opposition interpretiert wird, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die schwedische Wirtschaftspolitik derzeit in hohem Masse wahlstrategisch diskutiert wird. Das heißt mit anderen Worten, dass die gegenwärtige Regierung die Konjunkturaussichten Schwedens ab dem zweiten Halbjahr 2027 eventuell etwas zu optimistisch sieht und die Opposition zu skeptisch. Man kann aber davon ausgehen, dass der Wahlkampf im Frühjahr und im Spätsommer diesen Jahres noch erheblich an Schärfe gewinnen wird (Wahltag am 13.9.2026). Noch lässt sich aber die Konstellation der kommenden schwedischen Regierung keinesfalls ausmachen. Derzeit liegen die unter sich nicht einigen Oppositionsparteien zirka fünf Prozenteinheiten vor der amtierenden bürgerlichen Regierung.
Immer wieder gerät die expansive Ausgabenpolitik der jetzigen Regierung ins Kreuzfeuer der Kritik. Kritische Kommentare kommen vor allem von der sozialdemokratischen Opposition und dem unabhängigen finanzpolitischen Sachverständigenrat („Finanspolitiska Rådet“).
Vor allem die geplanten Einkommensteuersenkungen – auch für Topverdiener – ertragen Kritiker schwer, zumal diese Steuererleichterungen sogar Dimensionen der angekündigten Verteidigungsinvestitionen erreicht. Die Kritiker hätten lieber finanzpolitische Finanzierungsquellen als Kreditfinanzierung gesehen. Allerdings muss dazu auch gesagt werden, dass Schweden auch bei Durchführung aller Neuverschuldungspläne zu den EU-Ländern mit den solidesten öffentlichen Finanzen gehören wird.
Kontakt