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„Auch die Gründung der Stadt Stockholm im 13. Jahrhundert ist eng mit dem deutschen Handel verbunden“, sagt Anders Houltz.

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„Bereits das Christentum kam über Deutschland nach Schweden“

27.01.2026

Anders Houltz ist Forschungsleiter am Zentrum für Wirtschaftsgeschichte (Centrum för Näringslivshistoria) und Experte für schwedische Wirtschaftsgeschichte. In einem Interview mit der Deutsch-Schwedischen Handelskammer blickt er auf fast 1.000 Jahre deutsch-schwedischen Handel zurück – von der Hansezeit bis heute.

Anders Houltz, lässt sich ungefähr sagen, wann der deutsch-schwedische Handel begann?

Es ist schwierig, genau zu sagen, wann der Handel zwischen Schweden und Deutschland begann. Bereits im 11. Jahrhundert kam das Christentum über Deutschland nach Schweden, und mit ihm kamen Mönche und Kaufleute. Im 12. Jahrhundert kam die Hanse nach Schweden – als erste organisierte Handelsinitiative, ein Handelsbund.

Auch die Gründung der Stadt Stockholm im 13. Jahrhundert ist eng mit dem deutschen Handel verbunden. Wie viele deutsche Städte war Stockholm eine Hansestadt. Es handelte sich also nicht nur um einen geringen Einfluss, sondern um eine dominierende Rolle.

Welche Waren kauften Schweden und Deutschland voneinander?

Schweden kaufte unter anderem Salz, deutschen Wein und Textilien aus Deutschland. Über lange Zeit wurden Rohstoffe aus Schweden nach Deutschland exportiert, während veredelte Waren von Deutschland nach Schweden gingen. Noch im 17. und 18. Jahrhundert dominierte schwedisches Eisen den internationalen Markt. Auch Kupfer von hoher Qualität – zum Beispiel aus der Kupfergrube in Falun – spielte eine wichtige Rolle. Lange Zeit wurden geschnitzte Altaraufsätze und andere kostbare Kunstgegenstände für schwedische Kirchen in Deutschland in Auftrag gegeben.

König Gustav Vasa holte deutsche Handwerker nach Schweden. Sie verfügten über eine Ausbildung, die zu jener Zeit als sehr modern und fortschrittlich galt. Bereits zuvor war der Bildhauer Bernt Notke nach Stockholm geholt worden, um einen besonderen Auftrag auszuführen: Er sollte für den schwedischen Reichsverweser Sten Sture den Älteren die Skulpturengruppe Sankt Georg und der Drache schaffen – ein Meisterwerk, das sich bis heute in der Storkyrkan in der Altstadt befindet.

Welche Rolle spielten die beiden Länder während der Industrialisierung?

Für Schweden kamen die ersten großen Impulse zur Industrialisierung aus Großbritannien. Erst in einer zweiten Phase, ab den 1870er-Jahren, begann Deutschland England als dominierenden Handelspartner abzulösen. Diese Rolle, die während der Elektrifizierungsära entstand, besteht bis heute fort.

In den 1890er-Jahren importierte Schweden beispielsweise Generatoren aus Deutschland – unter anderem von Siemens. Neben der Papier-, Stahl- und Maschinenindustrie war auch die schwedische Chemieindustrie stark von Deutschland abhängig.

Die Nachkriegszeit gilt als Ausgangspunkt der heutigen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Inwiefern war diese Zeit wichtig für die deutsch-schwedischen Beziehungen?

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen beide Länder alte Netzwerke wieder auf, konnten nun jedoch auf einer gleichberechtigteren Ebene zusammenarbeiten. Deutschland, das wieder aufgebaut werden musste, war dankbar für Schweden als Handelspartner. Schweden wiederum verfügte in den 1950er- und 1960er-Jahren über eine hohe Kaufkraft. Davon profitierten insbesondere deutsche Konsumgüter. Die deutsche Automobilindustrie setzte sich in Schweden schnell durch. Im Jahr 1955 wurde Volkswagen zur meistverkauften Automarke in Schweden – noch vor dem schwedischen Volvo.

In Deutschland wird Schweden heute als besonders innovatives und modernes Land wahrgenommen. Entstand dieses Bild in der Nachkriegszeit?

Es entstand früher. Das Innovationsbild ist ein Produkt der zweiten industriellen Revolution, der Elektrifizierungsära Ende des 19. Jahrhunderts. Zudem handelt es sich um ein schwedisches Selbstbild, das sich besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren festigte, als immer mehr Menschen mehr Geld zur Verfügung hatten und die Wirtschaft wuchs.

Wie haben politische Veränderungen, etwa die EU-Mitgliedschaften, den Handel zwischen den beiden Ländern beeinflusst?

Insbesondere für Schweden hat sich die Zusammenarbeit seit dem EU-Beitritt intensiviert. Unter anderem ist es einfacher geworden, im jeweils anderen Land zu arbeiten und dort Waren zu verkaufen.

Können wir aus dieser Geschichte Lehren für die Zukunft ziehen?

Die deutsch-schwedischen Beziehungen werden noch wichtiger werden – ganz einfach aufgrund der geografischen Lage. Deutschland und Schweden liegen nahe beieinander. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass solche geografischen Faktoren eine Rolle spielen, da Unternehmen in erster Linie Lieferanten in ihrer Nähe suchen, denen sie vertrauen können.

Außerdem ist das Qualitätsbewusstsein für beide Nationen wichtig. Weder Deutschland noch Schweden können im internationalen Vergleich mit den billigsten Produkten konkurrieren – deshalb müssen sie es mit den besten Qualitätsprodukten tun.

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