Deutsch-Schwedische Handelskammer: BookBeat ist einer der führenden Streamingdienste für Hörbücher und E-Books in Europa. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?
Niclas Sandin: In der Buchbranche ensteht ein neuer digitaler Markt und wir bei BookBeat wollen führend in dieser Entwicklung sein. Angefangen haben wir als Pionier in der Datenanalyse, die wir heute in all unseren Bereichen einsetzen – ob es um die Weiterentwicklung unseres Dienstes geht, besondere Angebote im Rahmen unseres Marketings oder um die Inhalte, die wir für jeden Nutzer individuell zusammenstellen. Dadurch, dass wir ähnlich wie Netflix und Spotify unbegrenztes Streaming zu einem festen Preis anbieten, unterscheiden wir uns von unserem größten Konkurrenten in Deutschland. Wir gehen fest davon aus, dass sich dieses Angebotsmodell in der Zukunft auf dem Markt durchsetzen wird.
Der Markt für Hörbücher ist in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die gestiegene Nachfrage?
Es gibt einige Faktoren, die dazu beitragen. Vor allem die ständige Verfügbarkeit des Smartphones spielt eine große Rolle. Außerdem gibt es so viele gute Bücher, die perfekt zum Hören geeignet sind. Ist die App einmal auf dem Smartphone installiert, ist ein gutes Buch nur einen Klick entfernt. Im Durchschnitt hören unsere deutschen Nutzer jeden Monat 30 Stunden Hörbücher. Wir sind also schon jetzt ein fester Bestandteil des Alltags unserer Nutzer.
Gibt es bestimmte Zeitpunkte, zu denen die Nutzung besonders hoch oder niedrig ist bzw. zu denen gewisse Autoren besonders beliebt sind?
Unser Angebot wird überwiegend von Sonntag bis Donnerstag genutzt. An Freitagen und Samstagen haben unsere Kunden wahrscheinlich andere Aktivitäten geplant, sodass wir zu Beginn der Wochenenden generell einen Rückgang zu verzeichnen haben. Abgesehen von Heiligabend und Silvester wird unser Streaming-Angebot ansonsten das ganze Jahr über konstant genutzt, vor allem zu den Pendelzeiten frühmorgens und abends. Viele hören auch vor dem Schlafengehen ein Hörbuch. Autoren bekommen oft mit der Veröffentlichung eines neuen Buches mehr Aufmerksamkeit. Das Interessante dabei ist, dass unsere Nutzer dann meistens auch ältere Werke der Autoren anhören oder lesen. Das Phänomen erinnert an Netflix oder HBO: Wenn dort eine neue Staffel einer Serie veröffentlicht wird, schauen die Abonnenten, die die Serie gerade erst entdeckt haben, in der Regel auch alle vorherigen Staffeln an.
Seit 2017 sind Sie in Deutschland aktiv, einem der größten Hörbuchmärkte der Welt. Wie verläuft Ihre Expansion in Deutschland?
Wir hatten einen tollen Start in Deutschland. Unsere Schwesterfirma Bonnier Media ist die zweitgrößte Verlagsgruppe in Deutschland und wir sind die zweitbeliebteste Hörbuch-App nach Audible. Das geht aus dem Ranking im Appstore und Brancheninformationen hervor. Unser Fokus liegt darauf, als größter Herausforderer von Audible in den nächsten Jahren weiterhin stark auf dem deutschen Markt zu investieren.
Der nordische Markt gilt als Vorreiter in der Hörbuchbranche. Wie unterscheiden sich der deutsche und der schwedische Kunde voneinander?
Der deutsche Markt ist noch immer physischer: CDs machen 30 bis 40 Prozent der Verkäufe aus, während sie auf dem schwedischen Markt mittlerweile vollständig von digitalen Angeboten ersetzt wurden. Gleichzeitig ist das Streaming-Modell in Schweden und in den anderen nordischen Ländern schon viel weiter verbreitet und steht für den Großteil aller Verkäufe. In Deutschland hingegen ist das ältere Modell, bei dem man ein monatliches Guthaben zur Verfügung hat, noch das dominierende.
Weihnachten steht vor der Tür. Welche Hörbücher passen besonders gut zu den Feiertagen?
Liebhaber klassischer Krimis kommen bei „Weihnachten bei den Maigrets“ von Georges Simenon auf ihre Kosten. Wer über den Weihnachtswahnsinn auch mal lachen kann, für den ist der Roman „7 Kilo in 3 Tagen“ von Christian Pokerbeats Huber genau das Richtige. Und ein vergnüglich-winterliches Hörerlebnis für die ganze Familie ist „Eingeschneit!“ von Margit Auer aus der beliebten Reihe „Die Schule der magischen Tiere“.
Welchen Nutzen ziehen Sie aus Ihrer Mitgliedschaft in der Deutsch-Schwedischen Handelskammer und unseren Dienstleistungen?
Besonders in den ersten Monaten unseres Markteinstiegs in Deutschland hat uns die Handelskammer bei unterschiedlichen Fragen, zum Beispiel bezüglich Recht oder Buchführung, immer wieder professionell weitergeholfen. Weil wir stets nach neuen Kooperationspartnern suchen, sind die Veranstaltungen der Handelskammer für uns eine tolle Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Dieses Kontaktnetzwerk werden wir gerne im nächsten Jahr noch stärker nutzen.