Nach neuesten Erkenntnissen bedienen sich bereits vier von zehn schwedischen Unternehmen den Erkenntnissen künstlicher Intelligenz. In fünf Jahren sollen es sogar drei von vier sein. Bei solchen Veränderungsraten liegt es auf der Hand, dass ein derart deutlicher zukünftiger Trend auch den Arbeitsmarkt beeinflussen wird. Diskussionen über Vor- und Nachteile der vorgezeichneten KI-Entwicklung bleiben demnach nicht aus.
Der Disput um die deutlichsten Negativeffekte am Arbeitsmarkt durch KI dreht sich institutionell in erster Linie um Beschäftigte, die bei der klassischen Arbeitergewerkschaft LO organisiert sind, und den KI-Ruckwirkungen auf traditionelle Jobs im Angestelltenverhältnis - vor allem solche mit akademischem Profil.
Schlussfolgerung: noch wissen wir zu wenig
Viel Aufmerksamkeit erregten hierbei neulich die Schlussfolgerungen des LO-Chefökonomen Torbjörn Hållö, der in seiner Analyse Schwedens Arbeiterschaft klar als Gewinner herauskristallisiert, während er im Angestelltenbereich vor allem gewisse Akademikergruppen zu den deutlichen Verlierern zählt.
Anderer Meinung sind hingegen Gewerkschaften wie die der Ingenieure (Sveriges Ingenjörer, SI) und der Akademiker (Akavia). SI spricht sogar von einer nötigen „Kriegserklärung“ gegenüber LO. Diese beiden Akademiker*innen zugewandten Gewerkschaften sehen KI in erster Linie als Instrument zur Verbesserung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit – aber im Gegensatz zu LO ohne allzu dramatische Strukturveränderungen am Arbeitsmarkt.
Die schwedische Debatte über KI-Konsequenzen am Arbeitsmarkt lässt meines Erachtens noch keine weitreichenden Erkenntnisse für die Zukunft zu. Dies zeigt sich auch bei Studien der wissenschaftlichen KI-Literatur.
Schwedens KI-Forscher betonen jedoch zumeist, dass es bei KI-Effekten primär um veränderte Arbeitsinhalte geht und weniger um Verluste an Arbeitsplätzen. Auch wenn sich gewisse Berufsgruppen zukünftig schwerer am Arbeitsmarkt tun werden.