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Wirtschaft

Schweden kann mit Optimismus und Vertrauen nach Deutschland schauen

28. Oktober 2026

  • Deutschland
  • Konjunktur
  • Wirtschaft

Deutschland steckt gerade alle Kraft in Reformen und die Modernisierung des Landes. Auch wenn politische Auseinandersetzungen den Blick aus dem Ausland fesseln, sind die positiven Signale deutlich: Die Wirtschaft wächst, ist widerstandsfähig und erneuert sich. Darüber hinaus zeigen die Zahlen und der Erfolg vieler deutsch-schwedischer Kooperationen, dass auch der bilaterale Motor gut läuft.

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Ludger Siemes, Deutschlands Botschafter in Schweden, und Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

Seit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst geht im medialen Blick ein gewisser Unmut einher, wenn über Deutschland berichtet wird. Viele Medien schreiben von einem Kräfteziehen im politischen Berlin, von hohen Energiekosten. Sie schauen kritisch auf die Strukturreformen, denen sich die deutsche Regierung im Moment annimmt. Die große Transformation, die gerade in Deutschland stattfindet, ist tatsächlich langfristig angelegt und deshalb politisch nicht einfach. Doch haben sich die Koalitionspartner der Bundesregierung bei allen Unterschieden auf umfassende Reformen geeinigt und schon auf den Weg gebracht: die Wiedereinführung des Wehrdienstes – übrigens nach schwedischem Modell –, die Stärkung der Zivilverteidigung, die Gesundheits- und kapitalgedeckte Rentenreform – ebenfalls nach schwedischem Modell –, eine Frühstarterrente sowie ein großangelegter Modernisierungsschub und Bürokratieabbau. Die Maßnahmen zielen darauf ab, modernste Infrastruktur aufzubauen, Innovationen zu fördern, Fachkräfte zu sichern und unsere industrielle Basis für globale Wettbewerbsfähigkeit zu beleben.

Trotz globaler Herausforderungen wie Kriegen und Handelskonflikten können wir zuversichtlich sein: Die deutsche Wirtschaft ist widerstandsfähig, sie ist sogar gewachsen:

Mit 1,3 Prozent fiel die jüngste Konjunkturprognose für das BIP-Wachstum deutlich höher aus als noch in den vergangenen Quartalen angenommen. Für 2027 wird erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt. Investitionen des Staates und auch Exporte haben zum BIP-Wachstum beigetragen.

Gerade für Schweden ist das eine gute Nachricht, denn Deutschland ist Schwedens größter Handelspartner. Allein 2025 gab es Warenexport von Schweden nach Deutschland im Umfang von 18,5 Milliarden Euro (204,8 Milliarden SEK) und solche von 28,6 Milliarden Euro von Deutschland nach Schweden (316,3 Milliarden SEK). Das bilaterale Dienstleistungshandelsvolumen stieg mit rund 204 Milliarden SEK im Jahr 2025 um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und der Export von Schweden nach Deutschland stieg um rund fünf Prozent.

Studien zeigen, dass Deutschland in Europa als der attraktivste Investitionsstandort angesehen wird. Das Vertrauen nationaler und internationaler Investoren in Deutschland ist groß. Mit der Initiative „Made for Germany“ haben 133 Unternehmen angekündigt bis 2028 mehr als 850 Mrd. Euro in Deutschland investieren zu wollen. 2025 wurden insgesamt rund 1.500 ausländische Investitionsprojekte in Deutschland umgesetzt. Ende Oktober hat in Berlin ein großer „Invest in Germany Summit“ stattgefunden, mit dem die Bundesregierung internationale Investoren vom Einstieg oder Ausbau des Engagements in den Standort Deutschland überzeugt hat.

Im Bereich der Innovation tut sich viel in Deutschland. Im Jahr 2025 wurden 3.500 Startups gegründet, ein Anstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit ein neuer Rekord. In der ersten Hälfte von 2026 gab es bereits fast so viele Neugründungen wie im ganzen Jahr zuvor. Auch die Zahl der Unicorns in Deutschland nimmt erheblich zu.

Diese Zahlen und Entwicklungen zeigen, dass jetzt Zeit für weitere Zusammenarbeit in Europa ist. Die deutsch-schwedische Vernetzung und Zusammenarbeit funktioniert dabei vorbildlich:

Aktuelle Beispiele belegen großes schwedisches Interesse an Deutschland, etwa in Form einer höchstrangigen Reise der Kungliga Ingenjörs­vetenskaps­akademien (IVA), unter Teilnahme seiner Majestät des Königs nach Süddeutschland Anfang Oktober. In Begleitung von verschiedenen Unternehmerinnen und Unternehmer gaben dort deutsche Unternehmen Einblicke in aktuelle Innovationen und Kollaborationen. Die Delegation zeigte sich „begeistert von der Dynamik der deutschen Unternehmen – der großen Konzerne ebenso wie der kleineren und mittelständischen Unternehmen“.

Die Liste der Kollaborationen ist lang

Kollaborationen und Innovationen finden sich sowohl auf der deutschen als auch auf der schwedischen Landkarte:

Das deutsche Unternehmen E.ON Energy Infrastructure Solutions stellt in Lund etwa ein innovatives Abwärmenutzungssystem bereit und betreibt es. So wird überschüssige Wärme aus dem Betrieb der Forschungsanlage der European Spallation Source (ESS) in das lokale Fernwärmenetz in Lund eingespeist.

Im schwedischen Östersund betreibt das Düsseldorfer Unternehmen Uniper ein Projekt namens NorthStarH2, das sich mit der Entwicklung von e-Methanol als Ersatz für fossile Energieträger beschäftigt. Ein ähnliches Projekt findet sich in Luleå.

Das schwedische Unternehmen Vattenfall wiederum testet zusammen mit dem Göteborger Unternehmen WirelessCar ein Pilotprojekt des Automatisierten Ladens von Autos in Deutschland.

Dazu passt, dass das schwedische Unternehmen Einride gemeinsam mit dem deutschen Lidl den regulären Betrieb des ersten fahrerlosen Lkw der Autonomiestufe vier auf öffentlichen Straßen in Deutschland aufgleiste, wie die beiden im September bekanntgaben.

Auch im Weltraum-Bereich arbeiten die beiden Länder zusammen, wie etwa der German-Nordic Space Industry Dialogue in Bremen im April diesen Jahres zeigte.

Bilaterale Innovation an den Hochschulen

Auch in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung läuft der deutsch-schwedische Motor: Zwischen der Technischen Hochschule Chalmers, der Universität Linköping, der Universität Göteborg, der Universität Mälardalen (MDU) und der Universität Malmö auf der einen und führenden Industrieunternehmen wie Bosch und Siemens auf der anderen Seite gibt es eine solche Zusammenarbeit. Die Unternehmen haben so frühzeitig Zugang zu neuen Technologien, Forschungsergebnissen und den jungen Talenten dahinter.

Ein konkretes Beispiel ist das sogenannte NextG2Com, ein Kompetenzzentrum an der Universität Lund, wo Bosch zusammen mit Wissenschaft und Wirtschaft an Themen wie künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit arbeitet. Oder das Forschungsprojekt TASS (Trustworthy Agent Systems for Software Development), in dem die Forschung und Wirtschaft fragen, wie KI-basierte Systeme zuverlässig und verantwortungsvoll entwickelt werden können. Das Projekt verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischen Anwendungen in realen Softwareentwicklungsumgebungen.

Auch die politische Zusammenarbeit ist fokussiert

Gerade im Verteidigungs-Sektor zeigt sich in der deutsch-schwedischen Zusammenarbeit auch eine politische Aktualität und Dringlichkeit. Verteidigung darf nie ein wirtschaftlicher Faktor sein, aber sie verdeutlicht, wie verwoben die Länder sind. Deutschland schaut nach Schweden und umgekehrt. Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing arbeitet intensiv mit dem schwedischen Unternehmen Saab zusammen, unter anderem im Bereich Sensorik und der Integration von Künstlicher Intelligenz in bestehende und zukünftige Verteidigungstechnologie. Ähnlich prominente Beispiele sind die Firmen KNDS, Diehl, Rheinmetall, Airbus, Taurus oder STARK Defence, die bereits fest im schwedischen Verteidigungssektor verankert sind oder darauf hinarbeiten.

Die Liste der erfolgreichen Kooperationen zwischen Deutschland und Schweden ließe sich weiterführen. Sie sind der Beweis, dass es sich weiter für Schweden lohnt, mit Optimismus und Vertrauen auf seinen wichtigsten Handelspartner Deutschland zu blicken, und auch die deutsche Sprache zu lernen. Als größte Volkswirtschaft Europas, drittgrößte der Welt und größter Industriestandort der EU verfügt Deutschland weiterhin über erhebliches wirtschaftliches Gewicht.

Dieser Artikel erschien in gekürzter Fassung und auf schwedisch als Replik in Dagens Industri. Lesen Sie den Artikel hier.