Herr Riederer, Sie befassen sich beim Unternehmen Bahnhof Nätverk damit, wie Deutschlands Infrastruktur, etwa in Form von Glasfaserausbau, für eine digitale Zeit gerüstet sein kann. Die Bundesregierung hat in dieser Legislaturperiode für den Infrastrukturausbau ein großes Sondervermögen genehmigt. Wie hilfreich ist das?
Zunächst ist mir eine Einordnung wichtig, denn bei 500 Milliarden Euro entstehen schnell falsche Erwartungen: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ist kein 500-Milliarden-Euro-Topf für Glasfaser. Es finanziert zusätzliche Investitionen des Bundes, der Länder und Kommunen sowie den Klima- und Transformationsfonds[PR1.1]. Digitalisierung ist dabei ein Schwerpunkt, für den Glasfaserausbau gibt es aber bereits eigene Förderinstrumente.
Mindestens genauso wichtig wie das Geld ist für mich deshalb ein anderer Effekt: Durch das Sondervermögen fällt der öffentliche Fokus stärker auf die Bedeutung einer modernen und resilienten Infrastruktur.
Deutschlands Glasfaserausbau hadert also nicht unbedingt am Geld?
Nein, nicht unbedingt. Die Politik hat mit der Einstufung des Glasfaserausbaus als „überragendes öffentliches Interesse“ bereits einen wichtigen Schritt unternommen, der Genehmigungs- und Abwägungsverfahren erleichtern und beschleunigen kann.
Aber es gibt weitere Themen, die dringend angepackt werden müssen und keine zusätzlichen Subventionen erfordern. Bauen ist in Deutschland nach wie vor ein sehr komplexer Prozess. Bauvorschriften und umfangreiche Dokumentationspflichten treiben die Kosten. Nach unseren Erfahrungen und Marktinformationen ist der Bau eines Glasfaseranschlusses in Deutschland ein Vielfaches teurer als in einigen anderen europäischen Märkten.
Hinzu kommt ein fundamentaler Unterschied: Andere Länder haben teilweise sehr früh mit dem Glasfaserausbau begonnen, weil es dort keine leistungsfähige Alternative gab. Deutschland hat dagegen sehr viel aus seiner bestehenden Infrastruktur herausgeholt. DSL ermöglicht hohe Bandbreiten, hinzu kommt ein leistungsfähiges Kabelnetz. Für viele Anwendungen der Kundinnen und Kunden reicht das heute noch aus.
Die Folge: In Deutschland fehlt häufig der natürliche Pull zur Glasfaser.
Was meinen Sie mit Zukunftssicherheit?
Kupfernetze wurden ursprünglich für Telefonie entwickelt, Kabelnetze für Fernsehen. Beide Technologien wurden beeindruckend weiterentwickelt. Aber die Anforderungen an unsere digitale Infrastruktur verändern sich.
KI, Streaming, Cloud-Anwendungen oder das Internet der Dinge benötigen nicht nur Download, sondern zunehmend auch Upload. Glasfaser ermöglicht symmetrisch hohe Bandbreiten und bietet eine sehr hohe Stabilität.
Ein weiterer Punkt wird aus meiner Sicht viel zu selten diskutiert: Energieeffizienz. Glasfasernetze benötigen deutlich weniger Energie als ältere Netzinfrastrukturen. Gerade wenn wir über Resilienz, Energieversorgung und Nachhaltigkeit sprechen, gehört dieser Vorteil stärker in die öffentliche Diskussion.
Deshalb sollten wir Glasfaser nicht nur mit immer höheren Geschwindigkeiten verkaufen. Für Kundinnen und Kunden geht es auch um Qualität, Stabilität, Energieeffizienz und vor allem Zukunftssicherheit. Wir müssen heute die Infrastruktur bauen, die wir morgen zwingend benötigen werden.