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Lohn- und Lohnnebenkosten in Schweden 2016

20.04.2016

Dieser Artikel basiert auf den Daten von 2016. Hier finden Sie den entsprechenden Artikel für 2018.

Schweden ist für hohe Arbeitskosten, aber auch für gut ausgebildete, produktive Arbeitskräfte bekannt. 2016 werden die Löhne und Gehälter laut Analysen des renommierten Konjunkturinstitutet im Durchschnitt um 3,1 Prozent steigen; für 2017 wird ein Plus von 3,4 Prozent prognostiziert.

Im internationalen Vergleich wird Schweden als Hochlohnland eingestuft. Laut einer Aufstellung des schwedischen Arbeitgeberverbands Svenskt näringsliv lag 2014 der durchschnittlich in Schweden gezahlte Stundenlohn bei 246 Schwedischen Kronen (rund 27 Euro).

Dem Statistischen Zentralamt zufolge liegt Schweden auf Rang drei im europäischen Vergleich der Arbeitskosten (Stundenlohn, Arbeitergeberabgaben, Boni und sonstige Leistungen) mit 40,20 Euro pro Stunde. In Deutschland lag der vergleichbare Wert bei 31,80 Euro. Damit sind die Arbeitskosten in Schweden durchschnittlich etwa 26 Prozent höher als auf der anderen Seite der Ostsee.

Entwicklung der Löhne und Gehälter

Die in den letzten Jahren abgeschlossenen Tarifverträge haben dem im Zuge der Weltwirtschaftskrise schwieriger gewordenen Umfeld Rechnung tragen müssen und insbesondere in der verarbeitenden Industrie zu geringeren Lohnzuwächsen als in anderen Sektoren geführt, in denen sich die Krise weniger stark auswirkte oder die besonders von der Konjunkturankurbelung profitieren konnten. Wegen der Flüchtlingskrise und der flauen Gewinnsituation im Verarbeitungsgewerbe dürften sich die Tariflohnabschlüsse auch in den kommenden Jahren in engen Grenzen halten.

 

Veränderung des durchschnittlichen Stundenverdienstes
(in Prozent gegenüber dem Vorjahr)

Bereich 2013    2014    2015    2016*)    2017*)
Industrie 2,0 2,5 2,6 3,1 3,4
Baugewerbe 3,0 3,1 1,9 3,1 3,4
Dienstleistungssektor 2,3 3,0 2,5 3,2 3,4
Privatwirtschaft (Näringsliv) 2,3 2,9 2,5 3,2 3,4
Öffentlicher Dienst (national) 2,6 2,3 2,6 3,0 3,2
Öffentlicher Dienst (kommunal) 2,9 2,8 2,8 3,1 3,4
Gesamt 2,5 2,8 2,5 3,1 3,4

 

*) Prognosen; Quelle: Konjunkturinstitutet

Die Sozialabgaben der Arbeitgeber liegen 2016 in Schweden mit insgesamt 31,42 Prozent unverändert hoch. Nur die Zusammensetzung hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht geändert: Während der Beitrag zur Krankenversicherung um 0,5 Prozentpunkte angehoben wurde, sank die allgemeine Abgabe um 0,5 Prozentpunkte. Im europäischen Vergleich rangieren die Arbeitgeberabgaben damit am oberen Ende der Vergleichsskala.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Schweden bei den Kategorien Grundlöhne und andere Zuwendungen in Europa im oberen Mittelfeld liegt, bei den Arbeitgeberabgaben jedoch zur Spitzengruppe zählt. Zu beachten ist, dass die Sozialabgaben in Schweden voll vom Arbeitgeber getragen werden.

Arbeitslosigkeit sinkt nur leicht

Die Arbeitslosenquote verharrte in den letzten vier Jahren bei circa 8 Prozent und dürfte 2016 und 2017 trotz leicht rückläufiger Tendenz nicht wieder ihr niedriges Niveau von 2008 erreichen, als sie im Schnitt nur gut 6 Prozent betrug.

Traditionsgemäß haben die Gewerkschaften in Schweden einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt, dessen Regelungen und die Arbeitsbedingungen. Sie sind in vielen Branchen unvermeidliche, aber in der Regel moderate und verlässliche Verhandlungspartner. Ausländische Unternehmen sollten ihre Rolle nicht unterschätzen und das Partnerschaftsverständnis berücksichtigen. Infolge des als gut geltenden Zusammenwirkens von Unternehmen, Gewerkschaften und Staat ist die arbeitspolitische Lage stabil und es herrscht ein verhältnismäßig hoher Arbeitsfrieden. Unvorhergesehene Streiks und Arbeitskämpfe sind eher selten.

Vielzahl von Gesetzen zu beachten

Ein Gesetz, das allumfassend die Rechtsbeziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber regelt, gibt es in Schweden genau wie in Deutschland nicht. Grundlage des Arbeitsrechts ist vielmehr eine Vielzahl von Gesetzen. Bei Tarifvertragsbindung sind zudem tarifliche Regelungen, der jeweilige Arbeitsvertrag, die Rechtsprechung sowie die guten Sitten auf dem Arbeitsmarkt zu beachten.

Bei der Auslegung von Gesetzen werden Vorarbeiten zu den Gesetzen herangezogen. Viele arbeitsrechtliche Bereiche basieren auf der Umsetzung von EU-Richtlinien, zum Beispiel das Arbeitszeit- oder das Entsendegesetz. Zur Auslegung solcher Gesetze wird die Auslegung der entsprechenden EU-Richtlinie herangezogen.

 

Den ausführlichen Überblick über die Arbeitskosten und Rahmenbedingungen auf dem schwedischen Arbeitsmarkt finden Sie bei Germany Trade & Invest. Um auf den Artikel zugreifen zu können, ist eine kostenlose Registrierung bei GTAI erforderlich.

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Torsten Böke

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