Zwei SKF-Mitarbeiter bedienen eine Roboterzelle in der neuen und vollständig automatisierten Fabrik

SKFs automatisierte Produktionseinheit wurde im Frühjahr 2017 in Betrieb genommen.

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Der Innenring eines Rollenlagers auf einem Fließband in SKFs neuer, vollständig automatisierter Fabrik

Im Dezember organisierte die Handelskammer einen Besuch in der Fabrik.

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Eine Besuchergruppe steht um ein Wälzlagermodell in SKFs Fabrik in Göteborg

Eine Mitgliedergruppe bekam eine Führung.

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Alrik Danielson

SKF-Konzernchef Alrik Danielson begrüßte die Gäste.

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Erik Lundén von Siemens hält einen Votrag bei SKF

Erik Lundén stellte Siemens' Industrie 4.0-Lösungen vor.

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Geringere Kosten und mehr Flexibilität in SKFs neuer Industrie 4.0-Fabrik

18.01.2018

Mit einer völlig neuen und komplett automatisierten Fabrik zur Herstellung von Pendelrollenlagern hat der schwedische Industriekonzern SKF den Einstieg in die Industrie 4.0-Ära vollzogen. „Viele reden von der vierten industriellen Revolution. Bei SKF ist sie bereits Wirklichkeit“, erklärt Geschäftsführer Alrik Danielson.

Die neue, vollständig automatisierte und digitale Produktionseinheit, die in der SKF-Fabrik im Stadtteil Gamlestaden in Göteborg installiert wurde und etwa 190 Millionen schwedische Kronen (umgerechnet gut 19 Millionen Euro) gekostet hat, wurde im Frühjahr 2017 in Betrieb genommen. An dem Projekt haben neben SKF auch Siemens, Ericsson und die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg mitgewirkt.

Dank der Automatisierung  konnten unter anderem die ehemals vier Produktionsstränge auf zwei reduziert und der Personalaufwand um 80 Prozent gesenkt werden. Nun gibt es in der Fertigung stattdessen eine Reihe von Roboterzellen sowie fahrerlose Gabelstapler, die sich zwischen diesen hin- und herbewegen. Auf manuelle Arbeit wird komplett verzichtet, einschließlich der sensiblen Endmontage der Rollenlager, die zuvor von Hand ausgeführt wurde.

„Roboter hat man auch früher schon eingesetzt. Das Neue an der vierten industriellen Revolution ist, dass alles miteinander vernetzt wird. Ziel ist es, die gesamte Wertschöpfungskette – vom Zulieferer bis hin zum Endkunden – zu integrieren, um unsere Möglichkeiten weiter zu verbessern, immer das richtige Produkt mit der richtigen Qualität zum richtigen Preis anbieten zu können“, betont Alrik Danielson.

Schweden für Produktion wieder interessant

Schon immer war man in der Industrie bestrebt, Fertigungsprozesse zu rationalisieren, um Kosten zu sparen. Dennoch ist in den letzten 70 Jahren nicht sonderlich viel passiert, meint Danielson.

„Massenproduktion in großen Serien war bisher der einzige Weg. Durch die Digitalisierung können wir nun aber Flexibilität mit niedrigen Kosten kombinieren. Produkte können in kleinen Serien hergestellt und auf die spezifischen Anforderungen des Kunden zugeschnitten werden – und das Ganze zu einem wettbewerbsfähigen Preis.“

Die Flexibilität und Kosteneffektivität, die die Digitalisierung mit sich bringt, ermöglicht außerdem die Rückführung von Produktionsprozessen nach Schweden, die zuvor an andere Weltregionen verloren gegangen waren. „Wenn die Fertigungskosten sinken, rücken andere Faktoren wie beispielsweise die Beziehung zum Kunden oder die Logistik verstärkt in den Mittelpunkt“, stellt Alrik Danielson fest.

Hohe Anforderungen an Aus- und Weiterbildung

Gleichzeitig stellt die Digitalisierung einen Industrieriesen wie SKF aber auch vor große Herausforderungen. „Industrie 4.0 erfordert neues Know-how. Einige der heutigen Jobs werden künftig verschwinden, während neue hinzukommen. Dies stellt hohe Anforderungen an uns, was die Kompetenzentwicklung unserer Mitarbeiter angeht“, meint Alrik Danielson.

Die Digitalisierung steht auf der Agenda von SKF nun ganz oben. Geplant ist, das in Göteborg erfolgreich eingeführte Konzept auch an weiteren Produktionsstandorten zur Anwendung kommen zu lassen – sowohl in Schweden als auch im Ausland. Als Erstes ist das Werk im unterfränkischen Schweinfurt an der Reihe, wo im Laufe des Jahres 2018 ähnliche Investitionen getätigt werden sollen.

SKF ist einer der weltweit führenden Hersteller von Wälzlagern und Dichtungen. Das Unternehmen beschäftigt etwa 45.000 Mitarbeiter und ist in über 130 Ländern mit Vertriebsgesellschaften sowie in 24 Ländern mit Fertigungseinheiten vertreten.