Staffan Bohman und Magdalena Andersson

Handelskammer-Präsident Staffan Bohman und Finanzministerin Magdalena Andersson.

Magdalena Andersson

Magdalena Andersson sprach über die konjunkturelle Lage und die Reformpläne der Regierung.

Magdalena Andersson hält ihre Präsentation in einem voll besetzten Saal im Stockholmer Grand Hôtel

Ralph Tischer, Geschäftsführer der Handelskammer, hatte die PremiumPartner zu diesem exklusiven Treffen mit der Ministerin eingeladen.

Hubert Fromlet

Die Diskussion mit Magdalena Andersson wurde von Hubert Fromlet moderiert.

Staffan Bohman begrüßt die Teilnehmer des Executive Talk im Stockholmer Grand Hôtel.

Staffan Bohman begrüßte die Teilnehmer zur Veranstaltung im Stockholmer Grand Hôtel.

Magdalena Andersson: Wir brauchen mehr Kinder, die Deutsch lernen

01.12.2017

Der Veranstaltungssaal war voll besetzt und die Fragen der Teilnehmer wollten gar kein Ende mehr nehmen, als die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson am Mittwoch beim Executive Talk der Deutsch-Schwedischen Handelskammer zu Gast war. Auf die Frage hin, was beim deutsch-schwedischen Innovationsforum German Swedish Tech Forum im Mittelpunkt stehen sollte, antwortete Andersson ganz spontan: „Bitte lassen Sie uns mehr Kinder dazu bringen, Deutsch zu lernen.“ Bessere Sprachkenntnisse würden zu einer engeren Zusammenarbeit der beiden Länder beitragen, meinte sie.

Auf Einladung der Deutsch-Schwedischen Handelskammer präsentierte Schwedens Finanzministerin Magdalena Andersson am Mittwoch im Stockholmer Grand Hôtel einen Wirtschaftsausblick und diskutierte Themen, die für deutsche und schwedische Exportunternehmen von großer Bedeutung sind. In ihrer Präsentation betonte sie zunächst die gute konjunkturelle und haushaltspolitische Lage, die es derzeit ermöglicht, gleichzeitig Zukunftsinvestitionen zu tätigen und Staatsschulden abzubauen. Als größte wirtschaftliche Risiken in der nächsten Zeit zählte sie eine Abkühlung des Wachstums in China, die unsichere politische Entwicklung in den USA und Europa, mögliche Ungleichgewichte bei den Vermögenspreisen sowie die hohe Verschuldung der schwedischen Haushalte auf.

Die Ministerin ging auch auf die steigenden Einkommensunterschiede als Nährboden für Populismus ein sowie auf die demografischen Herausforderungen, die sich daraus ergeben, dass der Bevölkerungsanteil der Unter-20- und Über-75-Jährigen in Schweden nach einer lange rückläufigen Phase nun stark zu steigen beginnt. Diese Gruppen bräuchten auch künftig gute Schulen, Betreuung und Pflege. Außerdem müsse man mehr im Land lebende Ausländer in Arbeit bringen.

Bessere Bildung wichtigste Reform

Die Reformen der Regierung zielen laut Andersson vor allem darauf ab, dass alle arbeiten, die arbeiten können, dass die Sozialsysteme gestärkt werden und die innere Sicherheit verbessert wird. In Sachen Arbeitsmarkt fokussierte sich die Finanzministerin auf mehr Arbeitsplätze in Wachstumsunternehmen und die Reformen der Regierung, die deren Schaffung erleichtern sollen. Sie nannte unter anderem Steuererleichterungen bei der Einstellung eines ersten Mitarbeiters, Praktikumsplätze, Automatisierungsprogramme zur Stärkung der schwedischen Industrie sowie Investitionen für Umwelt und Klima. Außerdem plane man, mehr Fokus auf die Bildung und eine bessere Etablierung von Geflüchteten zu legen. Ein Großteil des Staatshaushalts werde in den nächsten Jahren in das Schienennetz, den Bau von Mietwohnungen, die Stärkung von Gesundheitswesen, Schulen und Pflege sowie eine Erhöhung der Mittel für Polizei und Verteidigung fließen, so Andersson.

Nach Ansicht der Finanzministerin ist eine Verbesserung der Lernergebnisse in den Schulen das wichtigste aller anstehenden Reformziele. Vor allem die Mathematikkenntnisse wolle sie erhöhen. Und für den Ausbau der deutsch-schwedischen Geschäftsbeziehungen animierte sie dazu, daran zu arbeiten, dass sich mehr Kinder in der Schule für Deutsch als zweite Fremdsprache entscheiden. „Bitte lassen Sie uns mehr Kinder dazu bringen, Deutsch zu lernen“, sagte Magdalena Andersson und erntete direkt Applaus von ihren Zuhörern. „Das klingt wie Musik in unseren Ohren“, kommentierte der Präsident der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, Staffan Bohman, die Aufforderung der Ministerin. Magdalena Andersson selbst beeindruckte die Gäste, als sie ihre Präsentation zunächst auf Deutsch begann.

Die im Anschluss gestellten Fragen der Teilnehmer drehten sich um alles von staatlichen Anreizen für den Ausbau erneuerbarer Energien bis hin zu Schwedens Standpunkt in der Eurofrage. Moderator der Veranstaltung war Hubert Fromlet, Senior Advisor der Deutsch-Schwedischen Handelskammer und affiliierter Professor an der schwedischen Linné-Universität. Mit einem gemeinsamen Dinner für die PremiumPartner der Handelskammer wurde der Abend abgerundet.