Wettbewerbsfähige Lohnkosten in Schweden

in
Foto: Petra Bork
Im westeuropäischen Vergleich bietet Schweden wettbewerbsfähige Lohnkosten, aber hohe Arbeitskosten.

Stockholm (gtai) - Schweden gilt als teurer Standort und ist international für seine hohen Arbeitskosten, aber auch für gut ausgebildete und produktive Arbeitskräfte bekannt. Trotz eines beeindruckenden Aufschwungs 2010 und 2011 sind die Gehaltszuwächse zuletzt vergleichsweise moderat ausgefallen. So sind die mittleren Bruttogehälter in der Privatwirtschaft 2011 um etwa 3% gestiegen. Die Arbeitslosenquote konnte den niedrigen Stand von 2008 nicht wieder erreichen.

Schwedens Arbeitskräfte gelten als kompetent, zuverlässig und leistungsfähig. Das schwedische Schul- und Berufsausbildungswesen versorgt die Wirtschaft mit gut ausgebildeten und qualifizierten Absolventen. Trotz bestehender und vielfach unterschätzter Unterschiede zwischen schwedischer und deutscher Arbeitskultur überwiegen Experten zufolge eindeutig die Gemeinsamkeiten. Das Königreich wird im internationalen Vergleich als Hochlohnland eingestuft.

In einer Aufstellung des zentralen schwedischen Industrieverbandes mit Daten der EU-Kommission lag 2010 der durchschnittlich in Schweden gezahlte Stundenlohn bei 208 Schwedischen Kronen (skr; rund 21,81 Euro, Jahresdurchschnittskurs 2010: 1 skr = 0,10485 Euro). Damit lag Schweden in etwa gleichauf mit dem Vereinigten Königreich (209 skr) und knapp 1,5% über dem vergleichbaren deutschen Stundenlohn (205 skr). Die gesamten Arbeitskosten (Stundenlohn, Arbeitgeberabgaben, Boni und sonstige Leistungen) lagen 2010 in Schweden laut derselben Quelle bei 328 skr. Damit erreichte das Land in etwa den gleichen Wert wie Belgien (332 skr) und Frankreich (320 skr). In Deutschland lag der vergleichbare Wert bei 269 skr. Die Angaben zeigen, dass die reinen Lohnkosten in Schweden gegenüber anderen westeuropäischen Ländern wettbewerbsfähig, die Arbeitskosten insgesamt aber relativ hoch sind.

Die Anzahl der Erwerbstätigen insgesamt konnte bis 2008 dank guter konjunktureller Entwicklung noch erhöht werden. Die Arbeitslosenquote lag 2008 im Schnitt bei 6,2%. Maßgeblich für den damaligen Rückgang der Arbeitslosenzahlen waren staatliche Beschäftigungsprogramme und Anreize für Neueinstellungen, die zusätzlich zur hohen Kapazitätsauslastung zu einem Beschäftigungszuwachs im Privatsektor geführt hatten.

Infolge des weltweiten Konjunktureinbruchs stieg die Arbeitslosenquote 2009 auf durchschnittlich 8,4%; 2010 stabilisierte sich der Arbeitsmarkt, sodass die Arbeitslosenquote nicht weiter zunahm. Inzwischen ist dank einer sehr positiven Konjunkturentwicklung ein konstanter Stellenzuwachs zu beobachten. Daher ist die Arbeitslosenquote 2011 auf unter 8% zurückgegangen. 2012 dürfte sie aber wieder leicht ansteigen.