Warum Schweden nicht Nein sagen und Deutsche zu direkt sind

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Foto: Deutsch-Schwedische Handelskammer
Schweden und Deutsche stehen sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell sehr nahe. Und dennoch sind manche Unterschiede so signifikant, dass sie zu Verwirrung führen können. Oder wann haben Sie zuletzt einmal einen Schweden mit Nein antworten gehört?

„Schauen wir mal.“ „Das könnte schwierig werden.“ „Das würde ich gern erst noch einmal mit einem Kollegen abstimmen.“ Das alles sind realistische Antworten, die man Ihnen entgegnen könnte, wenn Sie in Schweden ein Produkt verkaufen, einen Vertrag abschließen oder auch nur einen konkreten Termin bestätigt haben möchten. Für den Direktheit gewöhnten Deutschen kann dies mitunter zu Irritationen führen.

Aber wie sieht eigentlich typisch schwedische oder deutsche Kommunikation aus? Wie überwindet man die interkulturellen Hindernisse und schafft eine gute Zusammenarbeit? Zu diesem Thema haben wir Ninni Löwgren Tischer befragt. Sie ist Abteilungsleiterin Market Entry & Business Development bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, Buchautorin und Expertin rund um das Thema deutsch-schwedische Interkulturalität. Als Deutsch-Schwedin ist sie mit den Gepflogenheiten beider Länder auch persönlich bestens vertraut.

 

Deutsch-Schwedische Handelskammer: Ninni, ist es ein Stereotyp, dass der Schwede niemals Nein sagt und der Deutsche immer so direkt ist?

Ninni Löwgren Tischer: Als Schweden sagen wir Nein, nur hört man das als Deutscher vielleicht nicht. Der Schwede verpackt sein Nein für gewöhnlich einfach anders. Da heißt es dann an Stelle eines Neins eher, dass es schwierig werden könnte. Der Deutsche ist hingegen für seine direkte Kommunikation bekannt und ein Nein wird gern direkt ausgesprochen. Kulturell betrachtet ist das ganz natürlich. Der Schwede ist in einem flächenmäßig großen Land nur einer von wenigen. Auf den gemeinsamen Konsens wird daher sehr geachtet, damit alle Zahnräder geschmeidig ineinandergreifen. Niemand ist mehr wert als der andere. Der Deutsche wiederum ist einer von gut 80 Millionen und von klein auf darauf geprägt, ein individuelles Gesicht in der Menge zu sein. Dazu gehört eine klare und deutliche Kommunikation und sich vom Mainstream abzusetzen.

Was bedeutet das auf der Arbeitsebene für die länderübergreifende Zusammenarbeit?

Vorweg möchte ich sagen, dass es niemals um die Frage nach richtig oder falsch geht. Der Schwede vermeidet in der Regel das Nein, weil er doch eher konfliktscheu ist. Er sucht einen gemeinsamen Weg, mit dem sich alle wohlfühlen. Der Deutsche pusht den Konflikt und sieht in ihm alles andere als ein Problem, sondern vielmehr ein Werkzeug, welches ein gutes Resultat zutage bringt. Und das ist eine wesentliche Gemeinsamkeit, auf die sich beide Parteien fokussieren sollten: ein gutes Ergebnis zählt nämlich in beiden Kulturen. Natürlich kann eine so unterschiedliche Kommunikation auch zu Missverständnissen führen. Windet sich der Schwede manchmal um eine konkrete Antwort herum, weil er vorher noch mit seinen Kollegen reden möchte, könnte beim Deutschen der Eindruck von Inkompetenz oder auch von mangelnder Entscheidungsbefugnis entstehen. Andersherum kann sich der Schwede von der direkten Kommunikation des Deutschen schlichtweg überfordert, überrannt und übergangen fühlen. Sicherheit, Stabilität und Langsichtigkeit stehen für Deutsche häufig im Vordergrund. Meist sind diese Werte positiv, aber sie können auch zu einer Angst vor falschen Beschlüssen führen. Wenn rund um eine Entscheidung Unsicherheit herrscht, kann die deutsche Antwort leicht zum Nein tendieren. Schweden sollten daraus lernen, ihre eigenen Vorschläge stets gründlich auszuarbeiten und gut vorbereitet in Verhandlungen zu gehen.

Welche Ratschläge haben Sie, um diese interkulturellen Kommunikationshürden zu überwinden?

Ich glaube, man kann es ganz konkret in drei Schritten zusammenfassen. Erstens sollte sich jeder bewusst machen, dass das Gegenüber anders kommuniziert. Zweitens: Nehmen Sie keine Bewertung der Kommunikation des anderen vor und akzeptieren Sie drittens, dass man diese ohnehin nicht ändern kann. Das gilt selbst dann, wenn die Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Sprache wie beispielsweise dem Englischen stattfindet. Danach kann man sich auf die Optimierung des Zusammenspiels konzentrieren. Ein gutes Resultat steht, wie schon gesagt, in beiden Kulturen ganz oben auf der Agenda und kann somit die gemeinsame Zielsetzung sein. Auf dem Weg dorthin sollte sich jeder so bequem und wohl wie möglich fühlen. Das kann bedeuten, dass der Deutsche eben eher die Organisation übernimmt, beispielsweise das Aufsetzen einer Tagesordnung oder das Protokollführen. Dagegen hat ein Schwede nichts, er macht es halt nur nicht. Weiterhin kann der Schwede die flexibleren Parts übernehmen, ein aktives Brainstorming leiten. Somit können beide Kulturen ihre Stärken ausspielen und ein super Arbeitsergebnis für beide Parteien erreichen.

 

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