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Binogi ist eine multilinguale E-Learning-Plattform, die neu nach Deutschland gekommene Schüler beim Lernen unterstützt und Lehrkräften dabei hilft, den Unterricht für heterogene und mehrsprachige Klassen zu organisieren. Die in Schweden entwickelte Vorlage Studi hat bereits rund 200.000 Schüler und Lehrer begeistert. In unserem Interview spricht Binogis Marketing- und Kommunikationschefin Carin Ivrell über das Konzept der Plattform und die Expansionspläne auf dem deutschen Markt, die mit Unterstützung der Deutsch-Schwedischen Handelskammer verwirklicht werden sollen.

Deutsch-Schwedische Handelskammer: Wie kamen Sie auf die Idee, mithilfe von animierten Videos in mehreren Sprachen Geflüchteten und anderen neu zugezogenen Schülern das Lernen (und die Integration) erleichtern zu wollen?

Carin Ivrell: Die Flüchtlingswellen der letzten Jahre haben Schulen und Kommunen vor große Probleme gestellt und wir haben die Möglichkeit gesehen, mit unserem Konzept bei deren Bewältigung zu helfen. Mit Unterstützung der schwedischen Innovationsbehörde Vinnova und einiger Kommunen in Schweden haben wir ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Schulsystem und Gesellschaft zu beschleunigen. Wir hatten die Plattform Studi schon entwickelt und bereits Videolektionen für schwedische Schüler im Angebot. Im Rahmen des Projekts veröffentlichten wir die kurzen Filme dann gleichzeitig auf mehreren Sprachen. Animierte Videos lagen auf der Hand, da man diese leicht in verschiedenen Sprachversionen erstellen und entsprechend anpassen kann. Ziel des Ganzen ist, dass Schüler mit Migrationshintergrund sowohl inhaltlich als auch sprachlich dazulernen können – parallel und integriert. Die Schüler erhalten die Möglichkeit, in ihrer stärksten Sprache und mit voller kognitiver Kapazität zu lernen. Auf diese Weise können sie ihre Muttersprache, die neue Sprache und ihre fachlichen Kenntnisse parallel verbessern. Die Plattform ist nicht nur für die Schüler, sondern auch für Lehrkräfte und Betreuer eine große Unterstützung.

Studi wurde von Lehrern und Schülern in Schweden sehr gut angenommen. Wie wird die Plattform in den Schulen konkret genutzt?

Eine Lektion besteht bei uns immer aus einem Video und einem dazugehörigen Quiz, die sich beispielsweise um Newtons erstes Gesetz drehen können. Manche Lehrer geben den Schülern als Hausaufgabe auf, das Video in einer Sprache ihrer Wahl anzuschauen. Andere nutzen es als Wiederholung, nachdem sie den Stoff im Unterricht durchgegangen sind. Manche machen aus dem Quiz eine Hausaufgabe, wieder andere eine Übung im Klassenraum. Uns ist aufgefallen, dass die Lehrer die Plattform auf viele verschiedene Arten und Weisen nutzen, noch mehr als wir erwartet hatten. Auch für andere Lehrkräfte und Betreuer, die nicht immer tiefgreifende Kenntnisse in den jeweiligen Fächern haben, ist Studi eine gute Unterstützung. Am meisten wird die Plattform kurz vor größeren Klassenarbeiten und Prüfungen genutzt. Da wiederholen viele Schüler, was sie bisher gelernt haben.

Auf welchen Grundlagen basiert die angewendete Lehrmethode?

Unsere Lehrmittel haben wir auf Basis umfangreicher wissenschaftlicher Forschung entwickelt. Wie baut man eine Unterrichtsstunde am besten auf, pädagogisch und didaktisch? Wie funktioniert der Lernprozess über einen bestimmten Zeitraum hinweg? Wie sieht das Konzentrationsvermögen der Schüler aus? Wie kann Gamification ein Lehrmittel verbessern? Darüber hinaus gibt es aber auch noch viele ungeklärte Fragen, weshalb wir uns in mehreren Forschungsprojekten engagieren. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es für Flüchtlingskinder wichtig ist, in ihrer Muttersprache zu lernen, zu reflektieren und zu diskutieren – auch wenn sie teilweise bereits die neue Landessprache beherrschen – ist eine große Inspiration für uns. Diese Lernmethode gibt den Schülern Sicherheit und Bestätigung, was ihr Interesse an der Schule erhöht.

Studi expandiert nun in mehrere Länder, unter anderem auch nach Deutschland unter dem Namen Binogi. Warum haben Sie sich für den Einstieg auf den deutschen Markt entschieden?

Deutschland hat, genau wie Schweden, in den letzten Jahren viele Flüchtlinge aufgenommen und sucht nun nach Wegen, diese in die Gesellschaft und den Schulbetrieb zu integrieren. Da passt unser Konzept sehr gut rein.

Wie waren bisher die Reaktionen auf Binogi in deutschen Schulen?

Sehr positiv! Wir sind gerade dabei, von einigen wenigen Versuchsschulen auf eine größere Anzahl an Schulen auszuweiten. Häufig hat man hierzulande nur wenig Erfahrung mit der Nutzung von digitalen Lehrmitteln, weshalb es etwas dauert, bis man sich in Deutschland wirklich etabliert hat. Aber es wird derzeit viel über große digitale Initiativen im Bildungswesen gesprochen und wir hoffen, dass diese Pläne jetzt nach der Bundestagswahl noch konkreter werden.

Welche Erwartungen knüpfen Sie an Ihre neue Mitgliedschaft in der Deutsch-Schwedischen Handelskammer?

Um es auf direkt den Punkt zu bringen: Wir wollen das Wissen und das Netzwerk der Handelskammer für uns nutzen. Wir hoffen, Hilfe beim Knüpfen von Kontakten zu erhalten, die zu unserer weiteren Markterschließung in Deutschland beitragen. Wir müssen zum Beispiel Beziehungen zu Schul- und Integrationsverantwortlichen auf allen Ebenen aufbauen, auch in Kommunen und Landkreisen.

 

Eines der zahlreichen animierten Lernvideos von Binogi:

 

In unserer Serie Mitglied des Monats treffen wir jeden Monat einen Vertreter eines unserer rund 1.150 Mitgliedsunternehmen, der uns einen Einblick in die Arbeit und aktuellen Aktivitäten des jeweiligen Unternehmens gibt.

Schüler in einem Klassenzimmer des Gymnasiums auf der schwedischen Insel Öland
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